Saturday, September 1, 2012

Von Männern mit Bärten




Wundert euch nicht über die Überschrift, aber Bärte sind das Einzige, was die beiden Personen gemeinsam haben, über die ich heute sprechen will.

Zum einen wäre da Solid Snake, Protagonist einer Spielserie, die ich sehr mag, nämlich Metal Gear. Vor Kurzem hat diese Serie ihr 25 jähriges Jubiläum gefeiert. Und wie feiert man solche Ereignisse am Besten? Richtig, mit einer Convention. Im Zuge dieser Convention wurden zwei Dinge angekündigt. Erstens, dass es einen Metal Gear Film geben wird. Zweitens, dass es ein neues Spiel geben wird, nämlich Metal Gear Solid: Ground Zeroes.  
Vor dem Metal Gear Solid Film habe ich keine Angst, solange Uwe Boll nicht Regie führt und Hideo Kojima, der geistige Vater der Serie, Mitspracherecht besitzt. Das Spiel hingegen bereitet mir mehr Sorgen: Ich finde, es gibt zu viele Spiele dieser Serie: Alleine die Hauptserie hat vier, nämlich Metal Gear Solid, Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty, was auf Metal Gear solid aufbaut, Metal Gear Solid 3: Snake Eater, ein Prequel, das die Geschichte von Snakes Vater beleuchtet, und Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots, was zwar auf Metal Gear Solid 2 aufbaut, aber auch Charaktere aus Teil drei beinhaltet. Dazu kommen zwei Spiele für die PSP, die nach Metal Gear Solid 3 spielen und ebenfalls Snakes Vater als Protagonisten haben. Beim neuen Spiel habe ich etwas Angst, dass sie wieder ein Stück Vorgeschichte irgendwo hinein quetschen und somit im Endeffekt die ganze Serie durch zu viele Nebenstränge kaputt machen. Andererseits beruhigt mich die Tatsache, dass man einen relativ jungen Mann mit Bart auf dem einzigen Foto vom neuen Spiel sieht, da dies bedeutet, dass sie kein Spiel heraus bringen, was nach Metal Gear Solid 4 spielt, denn dieses Spiel hatte ein hervorragendes Ende.

Der andere Bärtige ist Andrei Arlovski, einer meiner Lieblingssportler und seines Zeichens MMA-Kämpfer sowie ehemaliger UFC-Schwergewichtschampion. Er hatte gestern einen lang erwarteten Kampf gegen seinen Erzrivalen Tim Sylvia. Es ist das vierte Aufeinandertreffen der beiden. Beim ersten Mal hat sich Arlovski den Schwergewichtstitel von Sylvia geholt, ihn jedoch bei der zweiten Konfrontation wieder an ihn verloren. Bei der dritten Begegnung hat Sylvia dann den Titel gegen Arlovski verteidigt. Es steht also 2:1 für Sylvia im Moment. Der gestrige Kampf offenbarte Arlovski als klaren Favoriten, er hat Sylvia stets mit Schlägen und Tritten beschäftigt gehalten und dessen Angriffe gut überstanden. Im Endeffekt hat Arlovski seinen Kontrahenten sogar mit zwei Schlägen zu Fall gebracht und ihm daraufhin zwei Fußtritte verpasst. Solche Fußtritte, soccer kicks genannt, weil man den Schädel des Gegners so behandelt, wie einen Fußball, sind zwar legal, aber erst, nachdem der Schiedsrichter seine Erlaubnis dazu erteilt. Was gestern nicht der Fall war. Somit wurden die Tritte als illegal gewertet und Sylvia erhielt fünf Minuten Erholungszeit. Doch er hat dem Schiedsrichter gesagt, dass er nicht weiter kämpfen konnte, somit wurde der Kampf als Unentschieden gewertet. Ich finde das traurig, dass Arlovski wegen solch einer Kleinigkeit der Sieg verwehrt wurde, denn ich bin davon überzeugt, dass er Sylvia mit den Tritten den Rest gegeben hätte, wenn der Schiedsrichter das Zeichen gegeben hätte. Vielleicht hat Sylvia auch einfach gelogen, als er gesagt hat, dass er nicht mehr kampffähig ist, um weiteren Attacken von Arlovski und einem möglichen Knockout zu entgehen. Bleibt zu hoffen, dass es eine fünfte Begegnung zwischen den beiden geben wird.

Friday, August 24, 2012

The Rise of Nine


Vor einigen Tagen ist der von Fans lang ersehnte dritte Teil der „Lorien Legacies“-Reihe erschienen. Das Buch trägt den Namen „The Rise of Nine“ und ich hatte das Glück, es schon bald nach seinem Erscheinen in meinen Klauen zu halten.
Heute möchte ich es reviewen.
The Rise of Nine beleuchtet die Geschehnisse um sieben Überlebende einer humanoiden Außerirdischenrasse vom Planeten Lorien, die sich auf der Erde verstecken und sich darauf vorbereiten, gegen ihre Erzfeinde zu kämpfen, eine Außerirdischenrasse namens Mogadorianer. Hilfreich erweist sich hierbei die Tatsache, dass jedes der Überlebenden im Teenagealter übernatürliche Fähigkeiten entwickelt. Die einen können zum Beispiel unter Wasser atmen, andere machen sich unsichtbar, wiederum andere sind Gestaltwandler.
Auf den Jugendlichen lag bis vor Kurzem ein Zauber, der es nur möglich machte, sie in einer bestimmten Reihenfolge zu töten. Aus diesem Grund sind sie durchnummeriert, von eins bis neun. Eins bis Drei sind tot, Nummer Vier war der erste, der sich zur Wehr gesetzt hat.
Das vorherige Buch, „The Power of Six“ ist damit geendet, dass Nummer Vier durch Zufall Nummer Neun aus einem mogadorianischen Stützpunkt befreit hat, während Nummer Sechs in Spanien zusammen mit Nummer Sieben gegen Mogadorianer gekämpft hat.
Das aktuelle Buch knüpft genau daran an. Vier und Neun reisen durch die USA, gesucht von den Mogadori und der Polizei, mit denen Vier auf Kriegsfuß steht. Hinzu kommt, dass Vier in dem Stützpunkt seinen besten (menschlichen) Freund zurücklassen musste und nun auch noch Visionen von dem Anführer der Mogadori bekommt.
Auf der anderen Seite der Welt machen sich Nummer Sechs und Nummer Sieben, die beiden anderen Erzählerinnen des Buchs, auf den Weg nach Indien, wo sie auf Nummer Acht stoßen, der eine kleine Privatarmee aus Fanatikern aufgestellt hat, die ihn als Gott verehren. An dieser Stelle dachte ich, dass nun die Chancen für die lorischen Kinder etwas besser stehen, da sie nun mehr Kämpfer haben, auch wenn es „nur“ bewaffnete Menschen sind. Aber nein, Nummer Acht verlässt seine Armee, um mit Sechs und Sieben zu reisen. Ich an seiner Stelle hätte alle Lorier unter den Schutz seiner Privatarmee genommen, eine Festung oder einen Stützpunkt gebaut und dann einfach auf den Angriff der Mogadori gewartet. Besser, als zu dritt (eigentlich zu fünft, aber ich werde nicht sagen, wer noch mitreist) durch die Gegend zu schleichen, stets auf der Hut und zum Kampf bereit.
Das ist nicht das Einzige, was mir aufgefallen ist: Im Verlauf des Buchs landet Sechs auf wundersame Weise in New Mexico und findet heraus, dass die US-Regierung mit den Mogadori zusammen arbeitet.
Nur damit ich das richtig verstehe: Eine Invasionsstreitmacht (mehrere tausend Soldaten) landet auf der Erde mit Plänen, diese zu zerstören, und die USA geben ihnen Zuflucht?
Im Buch wird erklärt, dass sie im Gegenzug Waffen und Rohstoffe bekommen. An dieser Stelle bin ich stutzig geworden. Hieß es nicht, der Planet der Mogadori sei erbarmungslos heruntergewirtschaftet worden? Woher kommen dann die Ressourcen?
Es wird im weiteren Verlauf der Handlung immer schräger, schließlich mündet das Ganze dann in einem Sturm auf einen Stützpunkt der USA, der ähnlich schwer bewacht wird, wie Area 51. Wenn nur einpaar Kinder schon so stark sind, dass sie solch eine Geheimbasis auseinander nehmen können, wie konnte dann ein ganzer Planet voller Lorier überrannt werden? Und wie können diese verbliebenen Überlebenden dann auch nur ein Fünkchen Hoffnung besitzen, dass sie den Kampf gegen die Streitmacht gewinnen, die ihre Heimatwelt heimgesucht hat?
Die Kritik geht noch weiter: Im zweiten Buch wurde versprochen, dass man nach einem zweiten Schiff sucht, mit dem eine ganze Reihe Tiere mit auf die Erde gebracht wurde. Nun, in „The Rise of Nine“ verliert man kein Wort darüber. Schade. Außerdem spricht Nummer Vier die ganze Zeit davon, seinen Freund Sam aus der Gefangenschaft der Mogadori zu befreien, was in diesem Buch auch nicht passiert. Dafür sieht man Sarah, Johns Freundin wieder, die ihm sofort um die Arme fällt und immer noch so verliebt ist, wie damals. Auch John ist überglücklich, sie zu sehen, auch wenn sie ihn vor einem Jahr scheinbar an die Polizei verraten hat. Vielleicht ist das nur meine antiromantische Meinung, aber ich würde nichts mit einer Person zu tun haben wollen, die ich geliebt habe, aber die mich verrät (auch wenn diese Person das Gegenteil behauptet). Außerdem würde ich mich nach einigen Monaten Folter und Gefängnis nicht gut genug fühlen, sofort aufzuspringen, eine Waffe zu nehmen und Feinde niederzuballern, so wie es Sarah tut.
Das Ende lässt auch zu wünschen übrig. Mitten im Kampf verschwindet der Erzfeind plötzlich, die Gruppe diskutiert kurz, und das Buch ist vorbei. Man hat den Eindruck, als wäre der Autor nicht mit der gesetzten Deadline klar gekommen und deshalb einfach abgegeben hat, was bisher fertig war.

Die einzigen zwei positiven Dinge an dem Buch:
1.) Der Schreibstil. Man kann sich alles, was in „The Rise of Nine“ geschieht, hervorragend vorstellen.
2.) Man erfährt mehr über den Inhalt der Kisten, mit denen die Jugendlichen herumlaufen.

Fazit:
Ich habe gelesen, dass sich das Autorenduo, was hinter dem Pseudonym „Pittacus Lore“ steckt, aufgelöst hat und „The Rise of Nine“ aus der Feder des einzigen nunmehr verbliebenen Autors stammt, der noch am Projekt arbeitet. Man sieht das Ergebnis. Schlechtestes Buch der Serie. Bisher.

Saturday, July 14, 2012

Vierfaltigkeit



 Hi Leute,

Tut mir Leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, ich hatte Prüfungen an der Uni.

Heute möchte ich über ein sehr interessantes Ereignis berichten. Vier meiner Lieblingsmusiker haben an EINEM Tag je ein neues Lied herausgebracht.

Zu aller erst oxxxymiron, ein russischer Rapper, der ein Musikvideo zu der dritten Auskopplung aus seinem zweiten Album (was hoffentlich bald erscheint) veröffentlicht hat. Ein überragendes Lied, so wie fast alles von ihm. Hier der Link:

http://www.youtube.com/watch?v=7p-W4FylNwI

Dann wäre da Schokk, ein weiterer russischer Rapper, der ein schnell zusammen geschustertes Video hochgeladen hat, was er angeblich in zwei Nächten aufgenommen hat, genauso wie das Lied, was sich grundlegend von seinem bisherigen Stil unterscheidet. Anscheinend experimentiert er gerade etwas und hat hier einen Prototyp abgeliefert. Er klingt nicht schlecht, mal schauen, in welche Richtung er das entwickelt. Aber bildet euch selbst ein Urteil:

http://www.youtube.com/watch?v=P4EnXUO92XE

Als nächstes auf der Liste steht Marger mit dem Freetrack „Certified Freestyle“, einem Internetvideo vom youtube-Kanal „Grimedaily“. Auch ein herrliches Lied, und endlich mal was Neues von ihm. In zweierlei Hinsicht: Erstens hat man seit einigen Monaten nichts mehr von ihm gehört, zweitens hatte er die Angewohnheit, vor allem in Internettracks oder „Freestyles“, Passagen aus anderen Liedern von ihm zu „recyceln“ und wieder zu verwenden, wenn auch auf einem anderen Beat. Diesmal scheint er sich die Mühe gemacht zu haben, sich wieder etwas auszudenken. Gut so.

http://www.youtube.com/watch?v=KHmivrj80O4

Das Beste zum Schluss. Auch Animus war an diesem Tag nicht untätig und hat seinen Fans ein bisher unveröffentlichtes Lied zu hören gegeben, als Vorgeschmack auf die EGGUS-EP. Dieses Lied sollte eigentlich auf seinem Album „Brieftaube“ landen, aber es wurde vorerst auf Eis gelegt. Ich finde das Lied super, und ihr?

http://www.youtube.com/watch?v=TcBQlVISbPM

Tja, das war’s vorerst von mir. Ich melde mich bald wieder, garantiert.

Wednesday, May 30, 2012

Assange and the world of tomorrow


Traurige Nachrichten, Freunde.

Julian Assange, Gründer und Gesicht von Wikileaks, wird nach Schweden ausgeliefert, wo ihm vorgeworfen wird, zwei Frauen vergewaltigt zu haben (die Schweden fassen den Begriff „Vergewaltigung“ etwas weiter, als der Rest der Welt, und sind auch mit der Bestrafung etwas konsequenter). Zuvor hat er über 500 Tage unter Hausarrest verbracht, während über seine Abschiebung verhandelt wurde.
Interessant ist, dass die schwedische Staatsanwaltschaft wohl die Möglichkeit hatte, nach Großbritannien zu fliegen, um Assange vor Ort in der Villa zu verhören, in der er gefangen war. Sie haben das Recht nicht genutzt. Außerdem macht mich die Tatsache stutzig, wie viele Ungereimtheiten Wikileaks über den Fall zu Tage fördert.
Ich befürchte, dass sich kurz nach Assanges Eintreffen die USA für ihn interessieren werden und eine Auslieferung in die Staaten verlangen werden, wo der Mann so etwas wie der Staatsfeind Nr. 1 ist und ihm so nette Sachen wie z.B. Spionage vorgeworfen werden. Auf ihn warten also in jedem Fall schwierige Zeiten.

Aber eigentlich interessiert mich diese ganze Story aus einem anderen Grund. „The World Tomorrow“, eine von ihm moderierte Fernsehsendung, wird wahrscheinlich abgesetzt, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie er in seiner Zelle Gäste empfangen will.
Aber was ist „The World Tomorrow“ überhaupt? Im Prinzip nichts als ein Interview, das zwischen Assange und einem ausgewählten Gast durchgeführt wird, wobei dieser Gast entweder neben Assange sitzt, oder per Webcam zugeschaltet wird.
Auf die Gästeliste möchte ich gesondert eingehen. Zwei Präsidenten, ein Anführer einer „Terrorbewegung“, zwei Revolutionäre, von denen einer per Haftbefehl gesucht wird und ein Anderer ebenfalls unter Hausarrest steht...soll ich weiter machen? Mir fällt keine Show ein, die ein ähnliches Aufgebot hat. Höchstens „Frost over the World“ von David Frost, aber der Mann ist auch so etwas wie der Gott des Journalismus, berühmt geworden durch die legendären Interviews mit Richard Nixon, und seine Show läuft mehrere Jahre. Die Sendung von Assange hat sieben Folgen.
Aber auch Assange als Interviewer ist eine Bemerkung wert. Schließlich ist er, soweit ich weiß, kein Journalist. Aber er hat einiges durchgemacht und ist schon mehrfach, zumteil mit einer feindseligen Grundhaltung, interviewt worden und weiß daher, wie man so ein Gespräch neutral hält und wie man die richtigen Fragen stellt. Das kriegt er gut hin. Er lässt die Gäste erzählen, wenn mehrere Personen da sind, dann lässt er sie untereinander diskutieren und übernimmt nur die Rolle eines Streitschlichters, falls es ausartet.
Die Tatsache, dass er nicht für jemanden, einen Fernsehsender zum Beispiel, arbeitet, hilft ihm auch und verleiht ihm noch mehr Kredibilität in seiner Rolle als neutrale Partei. Das schlägt sich auch in der Gästeliste nieder. Mir fällt nämlich kein westlicher Journalist ein, der es geschafft hat, Hassan Nazrallah zu interviewen.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass die Interviews vollständig gesendet werden. Es wird nichts herausgeschnitten oder gekürzt.
Das Beste an der Sendung ist trotzdem der Informationsgehalt. Man erfährt unglaublich viel Neues, sowohl über Themen, die in der Vergangenheit von den Medien reichlich abgedeckt wurden und nun aus dem Blickfeld verschwunden sind, etwa die aktuelle Situation in Ägypten, wo die Revolution noch lange nicht vorbei ist, aktuell medienpräsente Themen, etwa die sich anbahnende Revolution in Bahrain, als auch über Themen, von denen die Öffentlichkeit nichts mitbekommt. Oder kann mir jemand die besondere Situation der Medien in Euquador schildern?
Bei all dem Lob gibt es doch einige Kleinigkeiten zu bemängeln. Zum einen die Kürze. Ab und an wirken die jeweils halbstündigen Interviews wie langgezogene Trailer, die dem Zuschauer die Sendung bloß schmackhaft machen und ihn auf ein acht oder neunstündiges (ich übertreibe leicht) Interview vorbereiten sollen. Andererseits interviewt er ja, wie oben bereits gesagt, auch Präsidenten, deren Zeit mit Sicherheit knapp bemessen ist. Desweiteren fällt mir auf, dass sich fast alle seine Gäste negativ über die USA oder deren Politik äußern. Ich will Julian Assange nichts unterstellen, aber mich beschleicht der Verdacht, dass er diese Sendung als Bühne für weitere Konfrontationen und Provokationen gegenüber den USA missbraucht. Mich als Zuschauer stört das nicht, es ist bloß schade, wenn er seine Gästeliste nach diesem Gesichtspunkt („möglichst US-kritisch“) auswählt und somit durchaus interessante, aber den Staaten wohlwollend gesinnte Personen nicht einlädt.

Wednesday, May 23, 2012

Mondscheinbrüder


Ich muss euch etwas beichten. Heute lief bei mir in der Wohnung den ganzen Tag Volksmusik und wird wahrscheinlich auch (zum Leidwesen meiner Nachbarn) die nächsten Tage laufen. Nein, ich habe keinen Hitzschlag, obwohl der bei den aktuellen Temperaturen vermutlich nicht lange auf sich warten lassen wird. Meine Oma ist auch nicht zu Besuch. Aber eigentlich rede ich auch nicht von „klassischer“ Volksmusik, also von den Sendungen auf ARD wo regelmäßig 5-10% aller Zuschauer bei wegsterben. Nein, ich rede von Kellerkommando, einer wunderbaren Band. Genauer gesagt rede ich von deren zweiter EP „Mondscheinbrüder“, die am 18.05. erschienen ist.

Wer sich in der Materie auskennt, wird bereits im Titel eine Anspielung auf ein schwäbisches Volkslied erkennen. Dieses Lied, so wie drei Andere, wurde von den Bandmitgliedern zum Teil mit alten Refrains neu vertont und mit einer wunderbar abgestimmten Mischung aus Instrumenten und digital erstellten Klängen versehen. Zwischen den äußerst einprägsamen und ohrwurmgefährdeten Hooks singt ein Mann in grauenhaftem fränkischen Akzent Texte, die sowohl exzessives Party machen und „Weiber abschleppen“, als auch Gesellschaftskritik behandeln. So sind unter Anderem Seitenhiebe auf zu dünne weibliche Schönheitsideale und die Überwachungspolitik der Regierung enthalten. Unterstützt wird der fränkische Sänger von einem Rapper, wodurch in einigen Liedern ein gewisser Gegensatz zwischen der „alten“ Volksmusik und dem „neuen“ Hip Hop entsteht.
Vielleicht ist es dieser Gegensatz, vielleicht aber auch die klangvollen Beats oder der Inhalt der Texte, jedenfalls ist diese EP ein einziger kleiner Stimmungsmacher, und darf auf keiner Party fehlen.
Natürlich wird sich dieser Wunsch wegen der gewaltigen Vorbehalte gegenüber Volksmusik (auch wenn die Bandmitglieder alle unter 30 sind) nicht durchsetzen, aber ich kenne die Wahrheit: Ich habe Kellerkommando auf einem Konzert in Leipzig gesehen (ich berichtete...glaube ich zumindest) und weiß, dass sie dort den ganzen Saal zum Beben gebracht haben.
Was mich auch zur Kritik bringt: Wieso nur sechs Lieder? Klar ist jedes Einzelne von denen überragend gut, aber bei besagtem Konzert wurden mindestens doppelt so viele Stücke gespielt. Andererseits weiß ich nun, dass Kellerkommando noch genug Stoff für andere, hoffentlich größere Releases hat.
Außerdem habe ich auf dieser EP Schokk vermisst, einen meiner Lieblingsrapper. Zwar hat die Band eine würdige Vertretung gefunden und ich vermute, dass Schokk zu dem Zeitpunkt, wo die EP aufgenommen wurde, in Russland war und dort einige Solo-Konzerte veranstaltet hat (ich berichtete), aber ohne ihn ist Kellerkommando bloß ein Kellerkomman. Etwas fehlt.

Friday, April 27, 2012

Melde mich zurück!

Na, habt ihr mich vermisst?

Entschuldigt bitte meine Abwesenheit, ich hatte durch die Uni (bzw. HS in meinem Fall) sehr viel zu tun. In der Zwischenzeit ist nicht viel passiert. Nicht viel Erwähnenswertes zumindest...ah, doch: Ich habe mein Manuskript zur Novelle "Wer ist CLAW?" mit Hilfe der Reizenden @DevanAmadeus (ihr Blog ist unter "lesenswert" verlinkt) überarbeitet und zu den Verlagen abgeschickt, mit deren Vertretern ich mich auf der Buchmesse unterhalten habe.

Außerdem habe ich ein neues Projekt begonnen, von dem ich euch gerne das erste Kapitel zeigen möchte:

Das Archiv:

„Eigentlich hätte ich nie gedacht, dass dieser Februartag etwas Besonderes wird. Er fing an, wie jeder andere Tag auch. Ich stand auf, ging die morgendlichen Rituale im Badezimmer durch, zog mich an, ging einkaufen und stellte mir dann aus den gekauften Zutaten etwas Essbares her. Dann setzte ich mich an den PC und verbrachte den halben Nachmittag damit, Pixelsoldaten mit Pixelwaffen die Pixelhirne aus den Pixelschädeln zu schießen. Gegen Abend rief ein Kumpel an und lud mich in eine Kneipe ein. Ich sagte zu, er holte mich mit einem anderen Kerl im Schlepptau ab und wir gingen los. Da wir mit der Bahn fuhren und sowieso am Haupbahnhof umsteigen mussten, entschlossen wir uns dazu, vorher noch etwas zu essen, also nahmen wir Kurs auf das nächste Fastfood-Restaurant. Wir aßen schon eine ganze Weile, als mich einer meiner beiden Begleiter auf ein Mädchen aufmerksam machte, die auf an einem Tisch in der Ecke saß und irgendetwas in ihren Laptop tippte.
„Sie starrt schon die ganze Zeit zu dir herüber. Kennst du sie?“, fragte er. Ich sah zu dem Mädchen,  gerade als sie vorsichtig von ihrem Desktop heraufsah. Für einen kurzen Moment blickte ich in ihre  dunklen Augen, bevor sie weg sah. Der Moment war lang genug, um zu sehen, dass sie keine Schminke benutzte, und um zu erkennen, dass sie etwa in meinem Alter war. Vielleicht ein bis zwei Jahre jünger.  Selbst, als sie sich hinter der improvisierten Deckung ihres Laptops versteckte, entging mir nicht, wie sich langsam die Farbe ihres Gesichts veränderte und sie sichtlich errötete.
„Ich glaube, sie mag dich.“, sagte der andere Kerl. Ich zuckte mit den Schultern, obwohl ich sie recht niedlich fand. Meine Gedanken versuchten gerade, sich daran zu erinnern, wann ich sie gesehen haben könnte. Aber mir fiel nichts ein.
„Ich kenne sie nicht.“, sagte ich. Mein Kumpel grinste.
„Dann lernst du sie halt kennen.“, erwiderte er und gab mir einen leichten Schubser. Zögernd stand ich auf und bewegte mich auf ihren Tisch zu. Sie sah hoch, ihre Augen waren vor Überraschung geweitet, gleichzeitig verspannte sich ihre Körperhaltung. Sie war anscheinend nicht vorbereitet auf ein Gespräch.
„Hi. Wie geht's“, fragte ich. Es war nicht der beste Anmachspruch, aber in den wenigen Sekunden, die mein Hirn Zeit hatte, zu überlegen, war mir nichts Besseres eingefallen. Sie zuckte mit den Schultern. Ich hob eine Augenbraue. Mit so einer Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Dann fiel mir der Koffer auf, der unter ihrem Tisch stand. Vielleicht war sie auch einfach nicht aus Deutschland und konnte die Sprache nicht. „How are you?“, versuchte ich es auf englisch.
Die Reaktion war die Selbe. Sie deutete auf ihren Mund, dann zuckte sie mit den Schultern. Der pessimistische Teil meines Hirns schlug mir einen unangenehmen Gedanken vor, den ich einer kaum merklichen Kopfbewegung wieder vertrieb. Stattdessen formte ich mit meinen Händen ein imaginäres Viereck, dann tat ich so, als würde ich einen unsichtbaren Stift in der Hand halten. Das Mädchen zog ein Notizbuch und einen Kugelschreiber aus ihrer Jackentasche, kritzelte hastig etwas auf ein leeres Blatt, dann schob sie das Büchlein zu mir, wobei sie verlegen, fast schon schuldbewusst, zu Boden sah.
„Ich bin taubstumm“, stand auf der sonst leeren Seite. Ich lächelte, nahm den Kugelschreiber und schrieb meine Antwort.
„Ich wollte eigentlich nur den Stift und den Zettel haben. Hallo, ich bin Arthur. Wie geht’s dir?“
Sie betrachtete den Zettel einen kurzen Moment, dann lächelte sie. Ich wusste selbst nicht genau, wieso ich so geantwortet habe, aber ich wusste, dass ich mir Vorwürfe machen würde, hätte ich es nicht getan. Als sie mir den Zettel zurückreichte, stand darauf. „Ich bin Linda, und mir geht es wunderbar!“
Ich sah sie an und blickte in das schönste Lächeln, das ich je gesehen habe.“
Die Frau zu meiner Linken sieht mich erwartungsvoll an. „Und dann?“
„Dann haben wir uns unterhalten. Als ihr Notizbuch voll war, bin ich losgegangen und habe ein Neues gekauft. Als sie fahren musste, habe ich mir auch eine Fahrkarte gekauft und bin mit ihr gekommen.“
„Und deine Freunde?“
„Die sind ohne mich in die Kneipe gegangen.“
„Fühlten die sich nicht im Stich gelassen?“
Ich schüttle den Kopf.
„Die haben es mir doch selbst vorgeschlagen.“
Die Frau nickt. „Und was ist danach passiert?“
„Dann haben wir fünf wunderschöne Tage miteinander verbracht.“
Jedes dieser Worte spreche ich extra langsam aus und bewege meinen Mund übertrieben. Linda sitzt mir gegenüber, liest meine Lippen und lächelt ununterbrochen. Als sie sieht, was ich gerade gesagt habe, nimmt sie ein Blatt Papier vom Stapel auf dem Tisch und schreibt etwas auf. Dann faltet sie den Zettel und schiebt ihn mir zu.
„Jedes einzelne dieser Worte ist ein Grund mehr, dich zu lieben!“, steht da. Ich forme meine Lippen zu einem Kuss.
„Sagt mal, ist das nicht auf Dauer anstrengend, die ganze Zeit Zettelchen zu schreiben?“, will der Junge wissen, der rechts von mit sitzt. Ich schüttle den Kopf.  „Nein, Dima. Überhaupt nicht.“
Er hebt eine Augenbraue. „Echt nicht? Mir tat nach fünf Stunden Abi-Klausur schon der Arm weh.“
„Dann hast du wohl nicht genug trainiert, würde ich sagen.“, pariere ich.
Die Frau beginnt zu lachen. „Der war gut, Arthur!“
Ich nicke. „Ja Nora, der ist auch von mir.“
Dima schaut mich mit gespielter Empörung an. „Immer auf den Kleinen, oder was?“
„Nein, immer auf den Antiromantiker!“, kontert Nora. Plötzlich fällt mir etwas ein.
„A propos romantisch.“, sage ich, dann nehme ich den Zettel, den mir Linda vorhin gereicht hat, schreibe das Wort „Archiv“ darauf und schiebe ihn zu ihr herüber. Sie nickt, dann steht sie auf und holt einen dicken, roten Aktenordner aus dem Regal. „Sehr wichtig!“ steht an der Seite.
Sie legt den Ordner auf den Tisch. „Hier ist jedes Gespräch abgeheftet, das wir je geführt haben. Vom ersten Flirt bis heute.“, sage ich. Nora legt sich beide Hände an die Wangen. „Nein, wie süß.“, piepst sie. Ich nicke. Dima streckt die Arme in die Höhe.
„Bist du müde?“, frage ich. Er schüttelt den Kopf.
„Er will bloß nicht über fremde Beziehungen reden.“, erklärt Nora. Dima nickt kaum merklich.
„Wir hatten uns zum Karten spielen verabredet...“
„...was wir auch gemacht haben, bis du wissen wolltest, wie sich Arthur und Linda kennen gelernt haben.“, fällt Nora ihm ins Wort. Er schaut betreten zu Boden. „Okay, okay.“
Dann blickt er zu mir. „Sei mir nicht böse, aber ich finde einfach, dass eine Beziehung, in der man die Stimme des Partners oder der Partnerin nicht hört, für mich undenkbar wäre.“
„Worte können lügen, Taten nicht.“, entgegne ich.
„Aber auch geschriebene Worte können lügen, oder?“, kontert er. Nora steht auf.
„Dima, komm, wir gehen. Bevor du noch mehr Schaden anrichtest.“, sagt sie. Irgendetwas in ihrem Tonfall sagt mir, dass zuhause ein ernstes Gespräch auf Dima wartet. Als Nora aufsteht, steht auch Linda auf. Die beiden Frauen umarmen sich. Ich öffne die Tür, vor der Dima steht, wie ein Hund, der dringend sein Geschäft verrichten muss.
Der Blick, den Nora Dima zuwirft, als die beiden an mir vorbei gehen, sagt alles. Dima tut mir Leid. Denn wenn es etwas gibt, was sie nicht mag, ist es, wenn er ihr irgendetwas Romantisches kaputt redet. Sie ist eine Träumerin, er ein kalter Realist. Im nächsten Moment dreht sich Nora zu mir um.
„Tschüüüs.“, zwitschert sie, dann verschwindet sie zusammen mit Dima im Aufzug. Ich mache die Tür zu. Linda steht neben mir und hält mir einen Zettel hin. „Du liebst sie, nicht wahr?“, steht darauf. Ich schüttle den Kopf und bemerke, dass sie mir keinen Stift hinhält. Die Botschaft ist eindeutig: Sie gibt mir gar nicht die Chance, etwas zu antworten. Ich gehe an ihr vorbei ins Wohnzimmer und nehme den Kugelschreiber, der auf dem Tisch liegt. Die ganze Zeit über beobachtet sie mich ausdruckslos. Ich nehme ihr den Zettel aus der Hand und schreibe. „Ich liebe nur dich!“. Sie nimmt mit den Stift und den Zettel ab und schreibt ihre Antwort. Dann reicht sie mir das Blatt. „Ich habe gesehen, wie du sie angeschaut hast, wie ihr gelacht habt...“, weiter lese ich gar nicht. Stattdessen zerknülle ich den Zettel, dann schlinge ich meine Arme um ihren Körper und drücke sie an mich. Sie drückt ihren Kopf an meine Brust und im nächsten Moment spüre ich ihren Torso beben, während sie anfängt, zu schluchzen. Meine Hand gleitet sanft über ihr schwarzes Haar, doch zu meiner Überraschung verstärkt sich das Schluchzen. Nach einigen Minuten löst sie sich aus meiner Umarmung, nimmt mir das Papier und den Stift ab und beginnt, etwas aufzuschreiben, wobei ihr immer noch letzte Reste von Tränen über die Wangen fließen.
„Du kannst ihre Stimme hören, aber meine nicht!“, steht auf dem Zettel.
„Das war mir schon klar, als ich dich kennen gelernt habe. Ich wusste, worauf ich mich einließ, Schatz! Glaub mir!“, antworte ich.
Sie sieht auf das Blatt, dann lächelt sie. Ich deute auf den roten Ordner. Linda nickt, und heftet den zerknüllten Zettel ein. Gerade, als sie den Ordner in das Regal zurückstellen will, lege ich ihr meine Hand auf die Schulter und forme das Wort „lesen“ in Gebärdensprache. Eines der wenigen, die ich bisher kann. Sie nickt und legt den Ordner wieder auf den Tisch. Zu meiner Überraschung holt sie den Zettel wieder heraus, den sie eben eingeheftet hat und schreibt etwas darauf.
„Tut mir leid wegen dem Gespräch eben. Ich bin wahrscheinlich einfach müde und sollte jetzt schlafen gehen.“
„Das ist vermutlich besser. Schließlich ist es schon spät. Ich will noch etwas im Archiv lesen.“
Sie nickt, dann gibt sie mir einen Kuss und geht in ihr Zimmer.

Meine Blase weckt mich. Ich stehe langsam auf und bewege mich zum Klo. Plötzlich bemerke ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. „Schatz?“, rufe ich instinktiv, doch dann erinnere ich mich wieder daran, dass es sinnlos ist, etwas zu rufen. Mein Pulsschlag verdoppelt sich. Ist ein Einbrecher hier, oder haben meine Sinne mich bloß getäuscht. Vorsichtig bewege ich mich in die Richtung, aus der der Schatten zu kommen schien. Zu meiner Rechten befindet sich die geöffnete Tür meines Arbeitszimmers. Hat es der Dieb etwa...ein lautes Niesen durchbricht die Stille, gefolgt von einem leise gezischten Fluch. Ich hebe die Arme vor die Brust und mache einen weiteren Schritt vorwärts. Auf einmal erwacht die Dunkelheit zum Leben. Eine schwarze Silhouette löst sich aus den Schatten und stürmt auf mich zu. Ehe ich mich versehe, liege ich auf dem Boden. Wenige Sekunden später höre ich, wie die Tür zuknallt. Langsam rapple ich mich auf und gehe ins Arbeitszimmer. Es sieht genau so aus, wie ich es verlassen habe, sogar der Computer und der Laptop stehen noch. Dann gehe ich zurück zum Wohnzimmer. Als ich einen kurzen Blick auf den Tisch werfe, stockt mir der Atem. Der Ordner ist weg.

Sunday, March 18, 2012

Leipzig, die Zweite

Wieso die Zweite? Weil ich schon einmal in Lepizig war, zusammen mit einem Kumpel. Wir haben damals (Im Sommer 2011) das Campusfest besucht und Prinz Pi und Kellerkommando live gesehen. Anschließend sind wir nachts müde und angetrunken sechs Stunden lang durch die Stadt gelaufen, weil das Konzert um 3:00 zuende war, aber unser Zug um 9:00 fuhr.

Gestern habe ich mich erneut nach Leipzig begeben, um die Buchmesse zu besuchen und meine quasi-Schwester zu treffen. Die fast vierstündige Fahrt habe ich damit verbracht, an meinem neusten Projekt zu schreiben. Bis mir die Tinte im Kugelschreiber alle gegangen ist. Genau wie mein Handy-Akku. Da ich 90 Minuten vor besagtem Mädchen in Leipzig eingetroffen bin, hatte ich drei Prioritätsziele: 1.) Einen Kugelschreiber kaufen, damit ich auf der Rückfahrt schreiben kann, 2.) Geld abheben. 3.) Essen. Nummer 1 und 2 habe ich recht schnell erledigen können, dann ging es nach McDonalds zum Fraß. Leider hatten die zu der Zeit noch Frühstücksprogramm und eine unfreundliche Bedienung, also entschloss ich mich, schlicht und einfach ihre Steckdosen zu benutzen und mein Handy auf deren Kosten aufzuladen. Dann ging es zur Buchmesse. Oder sollte ich sagen, zur Cosplay-Messe. Nicht, dass ich etwas gegen Cosplay habe, aber manchmal hatte ich auf der Messe schon das Gefühl, als ob die Menschen in Zivil in der Unterzahl waren. Als erstes haben wir einen Verleger besucht, der meiner weiblichen Begleitung ihre Eintrittskarte geschenkt hat, dann haben wir verschiedene Jugendbuchverlage aufgesucht, um mein Werk anzuwerben. Zwischendurch haben wir eine Stunde lang im Kongresszentrum gehockt und Auszüge unserer Werke gegenseitig korrektur gelesen. Wenn man mich gefragt hätte, was genau wir gemacht haben, würde ich sagen, wir sind fast die ganze Zeit herumgelaufen. Das hört sich unspektakulär an, aber ich versichere euch, ich hatte meinen Spaß. Und meine „Schwester“ auch, davon bin ich überzeugt. Zum Schluss haben wir dann abgemacht, auf die Frankfurter Buchmesse zu gehen. Verkleidet.

Hier die Kurzgeschichte, die ich der Frau zum Lesen übergeben habe. Sie ist inspiriert durch diesen Song: 

 http://www.youtube.com/watch?v=do23sTe4dhA

Hier die Geschichte: 

 
Das Verhör

Die Tür öffnet sich mit dem unangenehmen Quietschen von nicht geölten Scharnieren. Zwei Wachen erscheinen am Eingang. Sie tragen schwarze Schutzwesten über ihren olivgrünen Uniformen, sowie Gasmasken. Außerdem Gewehre mit einer Gabelung unter dem Lauf, aus deren beiden silbrigen Enden periodisch Blitze hervorzucken. Elektroschocker. Die beiden Soldaten richten ihre Waffen auf mich.
„Hände hinter den Rücken!“, ruft einer. Zögernd gehorche ich.
„Jetzt dreh dich um!“. Im nächsten Moment spüre ich kaltes Metall an meinen Handgelenken, gefolgt vom Klicken von Handschellen. Dann wird etwas über meinen Kopf gestülpt und ich werde aus dem Raum gezerrt. Es geht mal nach links, mal nach rechts, mein Navigationssinn versucht mitzuhalten, so gut es geht, aber nach einer Weile verliere ich völlig die Orientierung. Ich bezweifle jedoch, dass die Wachen den direkten Weg zu dem Ort nehmen, zu dem sie mich bringen sollen, wo auch immer das ist. Plötzlich bleibe ich stehen. Vor mir höre ich wieder das gequälte Quietschen einer sich öffnenden Tür, dann werde ich geschubst.
„Nehmt ihm die Maske ab!“, höre ich jemanden sagen. Es ist ein Mann und seine Stimme klingt nicht so, als würde er eine Gasmaske tragen. Im nächsten Moment werde ich von einem extrem hellen Licht geblendet, wahrscheinlich haben sie einen Scheinwerfer oder Ähnliches direkt auf mich gerichtet. Das würde auch die Wärme auf meinem Gesicht erklären. Jemand gibt mir eine Ohrfeige.
„Aufwachen!“, knurrt der Mann ohne Gasmaske. Ich öffne vorsichtig die Augen und blicke in das runde Gesicht eines älteren, kahlköpfigen Mannes. „Braver Junge!“, sagt er und klopft mir auf die Wange. Dann entfernt er sich. Erst jetzt bemerke ich, dass ich mich vor einem Tisch befinde. Einer meiner Bewacher, die, wie ich vermute, hinter mir stehen, drückt mir auf die Schulter. Gleichzeitig drückt etwas gegen meine Knie, so dass ich keine andere Wahl habe, als mich hinzusetzen. Der Glatzkopf setzt sich mir gegenüber. Von dem kurzen Blick, den ich auf seine Uniform erhascht habe, schließe ich, dass er ein Offizier ist. Die Lampe, die mich zuvor geblendet hat, leuchtet nun über uns.
„Also, Genosse. Wer bist du und wer schickt dich?“, will er wissen. Diese Frage haben mir die letzten sechs Tage sechs verschiedene Menschen gestellt. Eine Antwort hat bisher niemand erhalten.
Ich zucke mit den Schultern.
„Du willst nicht reden? Brauchst du auch nicht.“, sagt der Mann und schiebt mir eine Mappe zu. Dann nickt er jemandem hinter mir zu. Sofort werden mir die Handschellen abgenommen. Der Offizier deutet auf die Unterlagen.
„Unterschreiben sie das und wir lassen sie frei.“
Ich blicke die Unterlagen misstrauisch an. Vermutlich ist es ein fabriziertes Geständnis. Das werde ich garantiert nicht unterzeichnen. Ich schüttle den Kopf. Mein Gegenüber legt den Kopf schief.
„Wir haben Beweismaterial in deiner Wohnung und in deinem Büro gefunden. Wenn du bestätigst, dass es dir gehört, und gestehst, spioniert zu haben, tauschen wir dich gegen einen unserer Agenten ein.“
„Ihr könnt mich nicht dazu zwingen, zu gestehen!“, knurre ich. Augenblicklich spüre ich einen unerträglichen Schmerz an der Seite, als würde jemand mir ein heißes Eisen an die Haut halten. Der Schmerz breitet sich in jeden Winkel meines Körpers aus, as hätte man mir Säure in den Blutkreislauf gegeben, die nun an jeder Zelle gleichzeitig nagt. Ich beiße die Zähne zusammen, um nicht vor Schmerz aufzuschreien. Plötzlich hebt der Offizier die Hand und der Schmerz lässt augenblicklich nach.
„Keine äußeren Verletzungen! Wir sind doch ein zivilisiertes Land, oder?“, sagt er. Dann deutet er hinter mich. „Du bist sicher durstig, oder?“
Kaum hat er das gesagt, werde ich hochgezerrt und zu einer Tonne geführt, die von einem Scheinwerfer beleuchtet wird. Der Geruch von Ammoniak steigt mir in die Nase. Als ich näher komme, bemerke ich, dass die Tonne bis zum Rand mit Flüssigkeit gefüllt ist. Und je näher ich der Tonne komme, desto stärker wird der Gestank.
„Ist das...“
„...Urin. Richtig.“, sagt der Offizier von irgendwo hinter mir. „Wollen sie immer noch nicht kooperieren?“
Mein Herz beschleunigt sich. In Gedanken spiele ich den Kurzvortrag meines Ausbilders ab, als er uns erklärte, wie man Waterboarding übersteht. Aber Waterboarding mit Wasser ist etwas Anderes, als in Pisse getaucht zu werden. In diesem Moment spüre ich einen Ruck nach unten und im nächsten Augenblick werde ich in das Fass getaucht. Ein Schauder läuft mir den Rücken herunter. Instinktiv fange ich an, mich zu wehren. Ich versuche so gut ich kann, dem Griff meines Peinigers zu entkommen, doch es ist zwecklos. Langsam beginnen meine Lungen, zu brennen. In diesem Moment werde ich herausgezogen und fülle meine Lungen sofort mit Luft.
„Na, kooperierst du?“, fragt der Glatzkopf. Ich erwidere seinen Blick, aber sage nichts. Er nickt, und im nächsten Moment spüre ich wieder den warmen Urin an meinem Gesicht. Diesmal werde ich etwas länger in der Tonne gehalten.
„Immer noch durstig?“, will der Mann wissen. Auf einmal tritt aus den Schatten ein junger Soldat an ihn heran, salutiert eilig und flüstert ihm etwas ins Ohr. Der Offizier nickt zufrieden, dann dreht er sich zu mir.
„Du hast genug getrunken!“, sagt er und wieder zerren mich die Wachen vom Tisch. Ein weiterer Mann sitzt mir nun gegenüber. Ich kenne ihn, aber ich darf es nicht zeigen. Es ist mein Partner. Wir wurden gemeinsam mit dieser Mission betraut. Auch er stinkt nach Urin. Obwohl er sichtlich erschöpft aussieht und mit Sicherheit auch gefoltert wurde, ändert sich seine Mine nicht, als er mich sieht. Gut so. Der Offizier stellt sich an den Tischrand, so, dass er uns beide ansehen kann. Aus dem Augenwinkel bemerke ich, dass einige weitere Wachen hinzugekommen sind.
„Ihr wollt beide nicht gestehen, stimmt's?“, fragt der Glatzkopf. Mein Gegenüber sieht ihn nicht einmal an. Ich schüttle den Kopf. Er zuckt mit den Schultern und zieht ein glänzendes Objekt aus dem Pistolenholster. Ich brauche einen Moment, um zu begreifen, dass es sich um einen Revolver handelt. Der Offizier entfernt alle Kugeln, bis auf eine.
„Wenn ihr beide euch weigert, wird einer von euch beiden heute sterben. Der Andere kommt frei. Egal ob er kooperieren will, oder nicht.“, sagt er und legt den Revolver auf den Tisch. Augenblicklich heben unsere Bewacher die Waffen. „Du! Fang an!“. Der Glatzkopf deutet auf meinen Partner, doch er rührt sich nicht. Sofort kriegt er einen Stromschock von einer der Wachen. Zögernd greift er die Waffe, hält sie sich seitlich an den Schädel und drückt ab. Nichts passiert. Zum Glück. Der Offizier nimmt die Waffe und legt sie vor mir hin.
„Jetzt bist du dran. Es sei denn jemand von euch beiden will gestehen.“
Ich schließe die Augen und lasse mich von meinen Gedanken fluten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich sterbe, beträgt 1/5. Oder ich kann gestehen.
„Ich möchte die Unterlagen sehen!“, sage ich.
Der Offizier grinst. Mein Gegenüber kneift die Augen kaum merklich zusammen. Jemand legt mir die Mappe von vorhin neben die Waffe. Ich schlage die erste eite auf. Kyrillisch. Der ganze Text ist auf russisch. Ich habe keine Ahnung, was da steht. Nein. Ich nehme den Revolver und halte ihn mir an den Kopf. Das kalte Metall lässt mein Herz höher schlagen. Dann drücke ich auf den Abzug. Nichts passiert. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Die Waffe geht weiter an meinen Gegenüber. Auch er zögert diesmal etwas, aber nach einem weiteren Stromschlag drückt er ab. Wieder nichts.
„Sie haben doch beide Familie, oder?“, sagt der Offizier. Unweigerlich flattert ein Kaleidoskop an Bildern an meinem geistigen Auge vorbei. Ich sehe meine Frau und meinen kleinen Sohn. Der brennende Schmerz des Elektroschockers holt mich in die Realität zurück. Mir war völlig klar, dass ich in Gefangenschaft geraten könnte, als ich den Auftrag annahm. Auf einmal kommt mir ein anderer Gedanke: Vielleicht hat mich die Regierung ja bereits für tot erklärt. Vielleicht sind sie ja gar nicht gewillt, mir zu helfen oder mich einzutauschen. In dem Fall wäre es sogar besser, mein Leben jetzt zu beenden, anstatt ewig in einer Zelle zu verrotten. Jemand entsichert seine Waffe.
„Ich zähle bis drei!“, ruft ein Soldat.
„Schon gut!“, knurre ich und halte mir den Revolver wieder an den Kopf. Irgendwie ist es trotzdem angsteinflößend, zu wissen, dass man sein eigenes Leben in der Hand hält. Aber der Tod ist in diesem Fall deutlich besser.
„Ach, scheiß drauf!“, rufe ich und drücke ab. Nur ein Klicken. Kein Schuss. Der Offizier grinst.
Entweder mein Gegenüber stirbt jetzt, oder ich. Ein beunruhigender Gedanke.
„Letzte Chance, zu unterzeichnen, Freunde!“
Auf einmal kommt mir eine Idee. Gespannt warte ich, bis mein Gegenüber die Waffe aufhebt. Tränen laufen ihm über das Gesicht.
„Sag meiner Frau, dass ich sie liebe!“, schluchtst er, dann drückt er ab. Wieder passiert nichts. Jetzt ist es traurige Gewissheit. Ich werde sterben. Mit zitternden Händen nehme ich die Waffe an mich und drücke sie an die Schläfe. Mein Blick bleibt am Offizier kleben, der mich gespannt anschaut.
„Irgendwelche letzten Worte?“, will er wissen. Ich grinse. Mein Hirn führt letzte Berechnungen aus. Das müsste klappen.
„Fahr zur Hölle!“, rufe ich und im selben Moment richte ich die Waffe auf seinen Kopf und schieße. Daneben.