Hi Leute
Bitte missversteht den Titel dieses Blogposts nicht, denn wenn ich Wrestling meine, rede ich nicht über die WWE, das ist nämlich kein Wrestling für mich, auch wenn es sich so nennt, geschweige denn Sport. Ich spreche über das Wrestling, was man am ehesten mit dem deutschen Ringen übersetzen kann, nicht diesen amerikanischen Schaukämpfen.
Das IOC (International Olympic Comitee) erwägt nämlich seit einiger Zeit, Wrestling als Sportart bei den olympischen Spielen abzuschaffen, angeblich aufgrund von steigenden Kosten.
Als ich das gelesen habe war mein erster Gedanke "aber Fußball bleibt drin?". Ihr dürft mich gerne korrigieren, wenn ich falsch liege, aber meiner Ansicht nach kostet die Unterbringung und Verpflegung eines Teams aus 11 Leuten + vielleicht noch Reservespieler etwas mehr als die einer Gruppe aus 4-5 Ringern. Außerdem nimmt deren Austragungsort weniger Platz ein, was per Konsequenz weniger Kosten für den Bau und die Instandhaltung bedeutet, allerdings auch weniger Zuschauer beherbergen kann. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass die Einschaltquoten für Wrestling höher sind, schlicht und einfach weil Fußball bei den olympischen Spielen nicht repräsentativ ist. Ein Beispiel: Wer hat 2008 bei den olympischen Spielen in Peking im Fuball Gold, Silber und Bronze geholt und welchen Platz nahmen diese Länder zwei Jahre später bei der FIFA-WM in südafrika ein? Nichts Gutes. Argentininen, der olympische Sieger, ist im Viertelfinale ausgeschieden. Platz zwei und drei sind in der Vorrunde gescheitert. Was ist nun also prestigeträchtiger? Ein sieg bei den olympischen Spielen oder ein Sieg bei der WM? Wozu brauchen wir das Andere dann noch, wenn es niemanden schert? Mit dem selbnen Spielen könnten wir auch Boxen zu einer olympischen Sportart machen, oder Judo...oh!
Und wie verhält es sich beim Wrestling? Dort ist die Teilnahme an den olympischen Spielen und vielleicht ein Sieg das Höchste, was man erreichen kann. Es gibt noch nicht einmal ein anderes Turnier für diese Sportart, höchstens den ADCC, der aber weit weniger Teilnehmer aus weit weniger Teilnehmerländern hat. Die olympischen Spiele sind dort der ultimative Wettkampf, um den besten Ringer hervorzubringen. Wenn Wrestling nicht länger eine olympische Disziplin ist, würde es die Sportart beträchtlich degradieren.
Außerdem finde ich, man sollte Ringen als olympische Disziplin alleine der Tradition wegen beibehalten. Ich meine, schon bei den ursprünglichen olympischen Spielen im antiken Griechenland war es eine Disziplin, gemeinsam mit solchen Disziplinen wie Sprint, Weitwurf und ähnlichem. Warum denkt man bei keiner von ihnen daran, sie abzuschaffen? Und wenn dem IOC der Name "Wrestling" nicht gefällt, weil sie eine Verwechslung fürchten, können sie die Sportart ja umbenennen, in "Grappling" zum Beispiel, wie es viele Amerikaner inzwischen tun. Oder sie bezeichnen die WWE einfach als das, was sie wirklich ist.
Der erste Blog, der gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstößt. Gedankliche Schrapnelle, Geschosse und Splitter, verstreut auf den Trümmern eines Menschenlebens. Vorsicht beim durchqueren, Verletzungsgefahr.
Tuesday, July 30, 2013
Saturday, May 11, 2013
100 Things to do before I die
Ahoi Leute
Verzeiht mir bitte, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe, aber die Uni und meine neuste Geschichte haben meine ganze Zeit in Anspruch genommen. Doch in diesem Blogpost soll es nicht darum gehen. Ich habe mich dazu entschlossen, dem Beispiel unzähliger anderer Blogger zu folgen und eine Bucket-List zu veröffentlichen. Auf dieser Liste sind 100 Dinge niedergeschrieben, die ich gerne durchführen möchte, bevor ich das Zeitliche segne. Die Liste ist unsortiert und folgt keiner logischen Reihenfolge, und sie kann jederzeit Änderungen unterworfen werden. Aber hier ist der vorläufige Entwurf:
Viel Spaß beim Erstellen einer eigenen Liste oder beim Abarbeiten von meiner (was mich sehr ehren würde)
euer Dennis
Verzeiht mir bitte, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe, aber die Uni und meine neuste Geschichte haben meine ganze Zeit in Anspruch genommen. Doch in diesem Blogpost soll es nicht darum gehen. Ich habe mich dazu entschlossen, dem Beispiel unzähliger anderer Blogger zu folgen und eine Bucket-List zu veröffentlichen. Auf dieser Liste sind 100 Dinge niedergeschrieben, die ich gerne durchführen möchte, bevor ich das Zeitliche segne. Die Liste ist unsortiert und folgt keiner logischen Reihenfolge, und sie kann jederzeit Änderungen unterworfen werden. Aber hier ist der vorläufige Entwurf:
01.)
( ) Eine Bucket-List erstellen
02.)
( ) Mit einem Flugzeug fliegen
03.)
( ) Sex an einem exotischen Ort haben.
04.)
( ) Eine Trennung erleben
05.)
( ) Seinen Lieblingsmusiker treffen
06.)
( ) Eine Magier-Bühnenshow besuchen
07.)
( ) Ein Buch schreiben
08.)
( ) Eine Kampfsportveranstaltung besuchen (UFC)
09.)
( ) Ein Musikfestival besuchen
10.)
( ) Einmal auf jedem Kontinent gewesen sein. Antarktis inklusive.
11.)
( ) Einen Kenpo-Kampf durchführen
12.)
( ) Einmal bei den olympischen Spielen sein. Als Zuschauer.
13.)
( ) Einmal bei der FIFA-WM dabei sein. Als Zuschauer.
14.)
( ) Einen Cocktail selbst mischen
15.)
( ) Eine Schlägerei erleben
16.)
( ) Einen Zaubertrick lernen
17.)
( ) Einmal im Eishotel übernachten
18.)
( ) Eigenes Geld verdienen
19.)
( ) Einmal mit einer Waffe schießen
20.)
( ) Vater sein
21.)
( ) Ein Portrait von sich zeichnen lassen
22.)
( ) Eine Fremdsprache lernen. Mindestens eine.
23.)
( ) Einen Baum pflanzen
24.)
( ) Eine Flaschenpost verschicken
25.)
( ) Tanzen lernen. Ordentlich.
26.)
( ) Sich einmal hoffnungslos verlieben.
27.)
( ) Mit der transsibirischen Eisenbahn fahren.
28.)
( ) Auf der Gamescon gewesen sein
29.)
( ) Auf dem Oktoberfest gewesen sein
30.)
( ) Mentor von jemandem werden
31.)
( ) Auf der CeBit gewesen sein.
32.)
( ) In einem Wasserfall baden
33.)
( ) Cosplayen (alternativ: Sich verkleiden)
34.)
( ) Schwerelos sein
35.)
( ) Mit einem Jet durch die südafrikanischen Canyons fliegen.
36.)
( ) Unter Sternenhimmel übernachten
37.)
( ) Ein Lagerfeuer machen
38.)
( ) Sein Testament schreiben
39.)
( ) Im Weltraum gewesen sein. Falls möglich.
40.)
( ) Carneval in Rio erleben
41.)
( ) Die Moskauer Militärparade erleben
42.)
( ) Seinen Familienbaum zeichnen. Soweit möglich.
43.)
( ) Einen Marathon mitlaufen. Nicht unbedingt bis zum Ziel.
44.)
( ) Bei einer Hochzeit dabei sein. Nicht unbedingt der Eigenen.
45.)
( ) Beim La Tomatina dabei sein.
46.)
( ) In einem Iglu schlafen
47.)
( ) Das Polarlicht sehen
48.)
( ) Bei der Inuit-Olympiade dabei sein. Als Zuschauer.
49.)
( ) Hundeschlitten fahren.
50.)
( ) Area 51 sehen. Also von außen. Nur bis zum Schild.
51.)
( ) Eine Safari mitmachen
52.)
( ) Auf der großen chinesischen Mauer spazieren gehen
53.)
( ) Bier in Dublin trinken
54.)
( ) Paintball spielen
55.)
( ) Ski fahren
56.)
( ) Snowboard fahren
57.)
( ) Neujahr in New York verbringen
58.)
( ) Neujahr in Tokyo verbringen
59.)
( ) In einem isländischen Geysir baden gehen
60.)
( ) Einen Vulkanausbruch sehen
61.)
( ) Die Pyramiden von Giza sehen
62.)
( ) Das Kolosseum sehen
63.)
( ) Das Taj Mahal sehen
64.)
( ) Die Freiheitsstatue sehen
65.)
( ) Über dem olympischen Feuer grillen
66.)
( ) In dem Restaurant an der Spitze des Eiffelturms speisen
67.)
( ) Die Golden Gate Bridge sehen
68.)
( ) O Christo Redentor sehen
69.)
( ) Das Operagebäude von Sydney sehen
70.)
( ) Die Osterinseln besuchen
71.)
( ) Mamaev Kurgan sehen
72.)
( ) Eine Frau küssen
73.)
( ) Die Mona Lisa sehen
74.)
( ) Ein Broadway-Musical sehen
75.)
( ) In einem Kapsel-Hotel schlafen
76.)
( ) Blut spenden
77.)
( ) Mardi Gras in New Orleans erleben
78.)
( ) Stonehenge sehen
79.)
( ) Mit dem London Eye fahren
80.)
( ) Einen Rodeo-Bullen reiten
81.)
( ) Den Amazonas sehen/ entlang fahren
82.)
( ) Gebärdensprache lernen
83.)
( ) in Jerusalem gewesen sein
84.)
( ) in Istanbul gewesen sein
85.)
( ) in Moskau gewesen sein. Kindheit zählt nicht.
86.)
( ) in Paris gewesen sein
87.)
( ) in London gewesen sein
88.)
( ) in New York gewesen sein
89.)
( ) in Los Angeles gewesen sein
90.)
( ) in Bangkok gewesen sein
91.)
( ) in Peking gewesen sein
92.)
( ) in Berlin gewesen sein
93.)
( ) auf Hawaii gewesen sein
94.)
( ) Schach spielen lernen
95.)
( ) Bridge spielen lernen
96.)
( ) Tarot legen lernen
97.)
( ) 24 Stunden ohne Schlaf überstehen.
98.)
( ) Jemandem eine Freude bereiten. Mindestens ein Mal.
99.)
( ) Etwas selbst kochen. Ordentlich.
100.)
( ) Sterben
Viel Spaß beim Erstellen einer eigenen Liste oder beim Abarbeiten von meiner (was mich sehr ehren würde)
euer Dennis
Friday, March 8, 2013
Frauentag
Hi Leute
Heute ist der achte März 2013. Dieser Tag wurde in der Zeit um den ersten Weltkrieg herum als internationaler Frauentag deklariert, damals noch, um für Gleichberechtigung und Wahlrecht zu kämpfen. Heutzutage sind diese beiden Dinge selbstverständlich für Frauen (zum Glück). Warum wird dieser Tag dann noch gefeiert und in einigen Ländern, vor allen Dingen der ehemaligen Sowjetunion, als fast schon etwas Heiliges angesehen? Nicht, weil es Frauen in diesen Ländern so schlecht geht und sie auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Der Tag wurde mehrheitlich von Männern gefeiert. Auch nicht, weil Sozialisten und Kommunisten maßgeblich an seiner Entwicklung beteiligt waren. Meiner Meinung nach hat sich die Bedeutung dieses Fests verändert. Es ist nicht mehr ein Fingerzeig auf ein Gleichstellungsproblem. Mit diesem Tag zeigen sich Männer heute dankbar dafür, dass es euch gibt, liebe Frauen. So einfach ist es.
Heute ist der achte März 2013. Dieser Tag wurde in der Zeit um den ersten Weltkrieg herum als internationaler Frauentag deklariert, damals noch, um für Gleichberechtigung und Wahlrecht zu kämpfen. Heutzutage sind diese beiden Dinge selbstverständlich für Frauen (zum Glück). Warum wird dieser Tag dann noch gefeiert und in einigen Ländern, vor allen Dingen der ehemaligen Sowjetunion, als fast schon etwas Heiliges angesehen? Nicht, weil es Frauen in diesen Ländern so schlecht geht und sie auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Der Tag wurde mehrheitlich von Männern gefeiert. Auch nicht, weil Sozialisten und Kommunisten maßgeblich an seiner Entwicklung beteiligt waren. Meiner Meinung nach hat sich die Bedeutung dieses Fests verändert. Es ist nicht mehr ein Fingerzeig auf ein Gleichstellungsproblem. Mit diesem Tag zeigen sich Männer heute dankbar dafür, dass es euch gibt, liebe Frauen. So einfach ist es.
Saturday, January 12, 2013
Strikeforce
Ahoi Leute
Mir geht es gut, ich bin ohne
Schwierigkeiten ins neue Jahr gerutscht und befinde mich nun in der
Prüfungsvorbereitung.
Heute möchte ich euch etwas über
Sport erzählen, genauer gesagt über eine Sportart, die mich
besonders fasziniert. MMA, abgekürzt für Mixed Martial Arts. Eine
Kampfsportart, die, wie der Name schon andeutet, verschiedene Stile
miteinander vereint. Es gibt verschiedene Veranstalter für solche
MMA-Kämpfe. Die vier bekanntesten sind die „Ultimate Fighting
Championship“, „Bellator“ und „Strikeforce“, sowie „Pride“,
das allerdings inzwischen aufgelöst wurde. Nun steht auch
Strikeforce vor dem Aus, heute Abend findet ihr letztes Event statt.
Über die Gründe wurden vielfältige Spekulationen angestellt.
Dieser Blogpost soll kein weitere Vermutung sein, sondern eine
Verteidigung, denn eine These für den Untergang von Strikeforce
erscheint mir sehr unrealistisch. Mehrere seriöse MMA-Magazine
machen Fedor Emelianenko, einen ehemaligen Kämpfer, für den Fall
der Organisation mit verantwortlich. Sie führen an, dass er zum
Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung als der beste Kämpfer der Welt
betrachtet wurde und dann von den vier Kämpfen, die er bei
Strikeforce absolviert hat, drei verloren hat. Dadurch hat er das
Vertrauen der Fans verloren und somit auch die Zuschauerzahlen der
Organisation.
Meine Reaktion darauf besteht in einer
Gegenfrage. Na und? Jeder kann bei einem Kampf vom Gegner überrascht
werden und dann verlieren. Auch drei Mal in Folge. Hauptsache, der
Kämpfer rappelt sich danach wieder auf und setzt seine Siegessträhne
fort, so wie Fedor es getan hat. Aber warum setzen die Organisation
so viele Hoffnungen auf ihn? Warum wirbt man nicht für andere,
ebenfalls vielversprechende Athleten? M1, die Organisation, die
Emelianenko nach seinem Rauswurf bei Strikeforce unter Vertrag nahm,
machte es genau richtig und setzte ihren Fokus auf junge Talente,
Fedor wurde dort als ein Kämpfer von vielen gewertet. Auch UFC oder
Bellator betreiben keinen Personenkult. Pride hat dies auch nicht
getan, ist allerdings trotzdem pleite gegangen. Somit wäre der
Beweis erbracht, dass auch ein Veranstalter, der sich gut um alle
seine Kämpfer kümmert, nicht vor dem Untergang gefeit ist.
Man konnte sich schon denken, dass es
Strikeforce nicht allzu gut ging, als es sich von einem anderen
Veranstalter aufkaufen ließ. Als dann auch noch mehrere Events
hintereinander ausfielen wurde klar, dass es bald zuende gehen
musste.
Ich persönlich vermute, dass, egal wie
schlecht es Strikeforce vorher ging, die UFC, die es aufgekauft hat,
hat ihm den Todesstoß gegeben, vor allem indem sie es seines
Exklusivvertrags mit dem Fernsehsender „Fox“ beraubt hat. Und
selbst wenn Fedor dazu beigetragen hat, dass das Unternehmen durch
sinkende Zuschauerzahlen langsam den Bach herunter ging, so ist dies
nicht seine Schuld, sondern die Schuld der Leute, die alle ihre
Hoffnungen in ihn gesetzt haben. Oder ist das Pferd daran schuld,
dass Leute ihr ganzes Vermögen darauf setzen?
Friday, December 28, 2012
Jahresrückblick
Was ist dieses Jahr eigentlich passiert? Die erste Antwort,
die mir darauf in den Sinn kommt, wäre „viel“. Das beschreibt es vermutlich am
Treffendsten. Ich habe neue Menschen kennen
gelernt, andere aus meinem Leben verbannt, alte Freundschaften gepflegt, neue
geknüpft und gestärkt, ich habe eine Beziehung angefangen und beendet. Und ich
habe sehr viel gelernt. Das hört sich jetzt vermutlich sehr chaotisch an,
deshalb habe ich versucht, es für euch zu systhematisieren.
Das Wichtigste zuerst: Ich studiere immer noch, allen
Widrigkeiten zum Trotz. Das ist die Hauptsache, finde ich. Neben körperlicher
Unversehrtheit, Gesundheit und klarem Verstand natürlich. Auch wenn „körperliche
Unversehrtheit“ nicht mehr ganz zutrifft, ich laufe mit einer Narbe im Gesicht herum
seit ich im Sommer in eine Schlägerei verwickelt wurde.
Das Schönste, was mir dieses Jahr passiert ist…weiß ich
nicht. Ich habe mich dieses Jahr eher an verschiedenen kleinen Dingen erfreut,
als an einem großen Ereignis.
Das Traurigste war wohl die Trennung von meiner damaligen
Freundin. Darauf möchte ich nicht näher eingehen, das war eine Sache zwischen
uns beiden. Sagen wir einfach, dass diese Trennung recht unerwartet kam und
nicht ganz sauber ablief.
Genug von mir. Meine Familie hat Zuwachs bekommen, aber
gleichzeitig auch nicht. Denn die Frau, die ich seit Anfang diesen Jahres „Schwesterherz“
nenne, ist nicht mit mir verwandt.
Vor zwei Jahren, als ich mich zum ersten Mal mit ihr
unterhalten habe, ging es nur darum, dass sie mein Manuskript liest, und ich im
Gegenzug ihres. Nach und nach hat sich dann aus dieser "Arbeitsbeziehung" eine tiefe Freundschaft entwickelt
und auch wenn wir uns ab und an streiten oder streitähnliche Diskussionen
führen, sind wir am Ende für einander da und stehen uns in schweren Zeiten
bei. Wie Geschwister halt.
A propos Entwicklung von Freundschaft: Ich habe in diesem
Jahr zu spüren bekommen, wie mächtig das Internet eigentlich ist, wenn es darum
geht, Kontakte zu knüpfen. Ich habe mehrmals Menschen besucht, die ich vorher
noch nie gesehen habe, und von denen ich bisher nur Anzeigebilder und Nicknames kannte. Eben weil wir uns nur online unterhalten haben.
Und wenn wir schon vom Internet sprechen: yatu lebt! Das Sci-Fi-Schreibprojekt,
an dem ich beteiligt bin, und das auf einem Blog im Internet abrufbar ist, hat
sich von einer Phase der Inaktivität erholt und wir haben gegen Ende des Jahres
wieder regulären Betrieb aufnehmen können. Wir haben sogar ein neues Mitglied
im Projekt begrüßen können, womit wir wieder zu dritt sind.
Aber yatu ist nicht das Einzige, was ich geschrieben habe. Insgesamt
sind dieses Jahr vier Werke entstanden. Ein kurzer Liebesthriller namens „Das
Archiv“, „Initiation“, die Vorgeschichte von einem yatu-Charakter, „Vagabund“,
die Geschichte von einem Mann, der sich selbst zu finden versucht sowie mein
noch unfertiges NaNo-Werk. Ja, ich habe auch dieses Jahr wieder am National
Novel Writing Month teilgenommen. Am Sommerableger, dem campnano, habe ich mich
auch versucht, bin jedoch nicht weit gekommen.
Zu meiner Schande habe ich nicht allzu viel in diesem Jahr
gelesen, aber ich würde „Wenn es regnet“ von Sarah M. Kempen als mein persönliches
Buch des Jahres bezeichnen. Sucht nicht danach in Buchhandlungen, diese Frau
ist noch unveröffentlicht, ich habe lediglich das Manuskript gelesen. Trotzdem
finde ich das Buch besser, als so manche Papierverschwendung, die in einigen
Buchhandlungen zum Verkauf bereit steht.
Einen Film des Jahres habe ich dieses Jahr nicht
gehabt, auch wenn ich einige gesehen und manche sogar rezensiert habe.
Ich habe allerdings nicht nur neue Bücher gelesen und neue
Filme gesehen, sondern auch neue Musik gehört. Meine wichtigste musikalische
Neuentdeckung dieses Jahr war zweifellos die russische Metal-Band „HMKids“, die
Lieder zum Warhammer 40k Universum produzieren. Und sie machen ihre Arbeit
wirklich gut. "Prospero", eins ihrer Lieder, welches sich mit dem Schicksal der "Thousand Sons" beschäftigt (ich berichtete), erzählt deren Geschichte zum Beispiel viel besser, als das gleichnamige Buch von Graham McNeill. Und vor allem kürzer.
Pläne für 2013? Vor allem versuchen, das Studium abzuschließen
und weiter am yatu-Projekt zu arbeiten. Der Rest wird sich dann im nächsten
Jahr zeigen.
Friday, November 2, 2012
Roh und unzensiert
Ahoi, Leute!
Viele haben sich vermutlich gefragt, was ich in letzter Zeit so treibe. Die Antwort ist einfach: Studium, yatu und zwei Filmreviews, nach Zeitaufwand sortiert. Naja, nicht ganz. Gestern hat der National Novel Writing Month angefangen. Dort geht es daruim, innerhalb eines ganzen Monats (01.-30.11) einen Roman zu schreiben, der 50000 Wörter oder mehr umfasst.
Ich habe diesbezüglich zwei Dinge für euch.
1.) Einen von mir geschriebenen Pep-Talk, also eine Art Motivationsschreiben, was euch zum weitermachen motivieren soll. Hier ist das gute Stück:
Ich will euch eine Geschichte erzählen. Es gab da einen jungen Mann,
sein Name war Wrimo. Und jedes Jahr pünktlich am ersten November,
machte er sich auf, um in ein fernes Land zu reisen. Ein Land, was
niemand zuvor betreten hatte. Wrimo wollte dieses Land erkunden, es
beschreiben und kartographieren. Einige Dinge, die er bereits wusste,
hatte er in einem kleinen Notizbüchlein gesammelt, etwa die
voraussichtlichen Meilensteine seiner Etappe, Informationen über
Weggabelungen und Kurven, außerdem eine Liste von Personen, denen er
begegnen wollte. Manchen wollte er helfen, andere wollte er töten.
Dies war unvermeidlich, damit er seine Reise fortsetzen konnte. Als er
das Land betrat, nickte er zufrieden. Es sah alles genau so aus, wie
er erwartet hatte. Er beschrieb, beobachtete und legte dann eine Rast
ein, kaum hatte er das Ziel erreicht, das er sich für den ersten Tag
gesetzt hatte. Am zweiten Tag bemerkte er, dass er beschattet wurde.
Er zückte seinen Kugelschreiber, das Einzige, was ihm als Waffe dienen
konnte, und drehte sich um.
„Warum folgst du mir, Fremder?“, wollte er wissen, während er den Baum
beäugte, hinter dem er die Person vermutete. Ein verhaltenes Lachen
antwortete ihm, und im nächsten Moment trat eine Frau aus dem
Versteck. Sie trug einen Umhang aus einer undefinierbaren,
schillernden Farbe, die ständig wechselte, die Spitzen, welche im Wind
wehten, schienen mit der Umgebung zu verschmelzen. Sie hatte eine
Kapuze aufgesetzt, so tief, dass man nur Dunkelheit anstelle eines
Gesichts sah.
„Ich passe auf dich auf“, entgegnete die Frau. Wrimo runzelte die
Stirn. Er brauchte keinen Beschützer, dieses Land barg keine Gefahren
für ihn. Zumindest das wusste er sicher.
„Indem du mich verfolgst?“, wollte er wissen. Sie nickte.
„Das habe ich schon immer. Du hättest mich vermutlich überhaupt nicht
bemerkt, wenn ich mich nicht entschlossen hätte, mich dir zu
offenbaren.“
„Warum das?“, fragte Wrimo. Er glaubte der Frau kein Wort.
„Um dich zu warnen. Die Reise ist nicht so berechenbar, wie du es dir
vorstellst. Du wirst bald feststellen, dass der Weg, den du gehst,
uneben ist, und voller Fallen. Schilder mit verlockenden Angeboten
werden dich fehlleiten, und ich fürchte, es wird dir erst auffallen,
wenn du schon ein ganzes Stück gewandert bist, und nicht mehr zurück
kannst. Denn wenn du zurückkehrst und einen anderen Weg gehst, wirst
du nicht mehr rechtzeitig zum Ziel kommen. Außerdem werden Probleme,
die den Menschen hier auferlegt wurden, schneller gelöst, als du es
aufschreiben kannst, oder sie erwachsen zu monumentalen Hindernissen,
an denen die Helden zerbrechen. Deine Karte vom Weg ist auch
unzuverlässig. Manche Abschnitte sind kürzer, als du dir das
vorstellst, somit kann es sein, dass du dein Tagesziel nicht
erreichst.“
Das waren keine rosigen Aussichten für Wrimo. Wollte diese Frau ihn
von seinem weiteren Weg abbringen?
„Warum sagst du mir das alles?“
„Weil ich möchte, dass du dir darüber im Klaren bist, dass dieser Weg
nicht leicht ist. Doch du kannst es mit meiner Hilfe schaffen. Wann
auch immer du dich mit einem Problem auf deiner Reise konfrontiert
siehst, sei zuversichtlich, dass du es lösen kannst. Du bist der Herr
dieser Welt. Es gibt immer einen Ausweg, solange du gewillt bist, ihn
zu suchen. Oder einen Weg, der um das Hindernis herum führt. Und wenn
du dein Tagesziel einmal nicht erreichst, dann wanderst du am nächsten
Tag halt schneller. Wenn du alleine nicht weiter kommst, werde ich
eingreifen und dir Lösungen aufzeigen, doch du wirst mein Eingreifen
nicht bemerken“, erklärte sie, dann machte sie einen Schritt zurück.
„Ich muss jetzt gehen. Aber schau mal hoch“, fügte sie hinzu. Wrimo
warf einen Blick auf den Himmel, und bemerkte, dass etwas seine Sicht
trübte. Er griff nach dem Hinderniss, zog es vor seinen Körper und
betrachtete es kurz. Dann lächelte er, und lies den Gegenstand los,
woraufhin er wieder an seinen ursprünglichen Platz über Wrimos Schädel
zurück kehrte.
„Ich weiß zwar schon genug, aber eine Frage habe ich noch. Was macht
diese Glühbirne über deinem Kopf?“, wollte er wissen.
„Sie leuchtet, wenn es dunkel wird, und liefert dir Ideen“, sagte die
Frau, und begann, sich langsam in Luft aufzulösen.
„Verrat mir zum Abschied doch deinen Namen“, bat Wrimo.
Der Kopf, der inzwischen als einziger übrig geblieben war, nickte.
„Ich habe viele Namen. Aber die meisten nennen mich...“, sie legte
eine kurze Pause ein, „...Inspiration.“
Dann verschwand sie vollständig.
Ich habe euch diese Geschichte nun erzählt, wie sie mir überliefert
wurde, so dass auch ihr sie weiterverbreiten könnt. Und seit gewiss,
die Inspiration wacht über uns alle, und im richtigen Augenblick wird
sie uns Ideen schicken.
2.) Das erste Kapitel des NaNo-Romans. Es ist zwar fertig geschrieben, aber noch völlig roh, nicht überarbeitet und unzensiert. Genießt es trotzdem. Versucht es zumindest:
Viele haben sich vermutlich gefragt, was ich in letzter Zeit so treibe. Die Antwort ist einfach: Studium, yatu und zwei Filmreviews, nach Zeitaufwand sortiert. Naja, nicht ganz. Gestern hat der National Novel Writing Month angefangen. Dort geht es daruim, innerhalb eines ganzen Monats (01.-30.11) einen Roman zu schreiben, der 50000 Wörter oder mehr umfasst.
Ich habe diesbezüglich zwei Dinge für euch.
1.) Einen von mir geschriebenen Pep-Talk, also eine Art Motivationsschreiben, was euch zum weitermachen motivieren soll. Hier ist das gute Stück:
Ich will euch eine Geschichte erzählen. Es gab da einen jungen Mann,
sein Name war Wrimo. Und jedes Jahr pünktlich am ersten November,
machte er sich auf, um in ein fernes Land zu reisen. Ein Land, was
niemand zuvor betreten hatte. Wrimo wollte dieses Land erkunden, es
beschreiben und kartographieren. Einige Dinge, die er bereits wusste,
hatte er in einem kleinen Notizbüchlein gesammelt, etwa die
voraussichtlichen Meilensteine seiner Etappe, Informationen über
Weggabelungen und Kurven, außerdem eine Liste von Personen, denen er
begegnen wollte. Manchen wollte er helfen, andere wollte er töten.
Dies war unvermeidlich, damit er seine Reise fortsetzen konnte. Als er
das Land betrat, nickte er zufrieden. Es sah alles genau so aus, wie
er erwartet hatte. Er beschrieb, beobachtete und legte dann eine Rast
ein, kaum hatte er das Ziel erreicht, das er sich für den ersten Tag
gesetzt hatte. Am zweiten Tag bemerkte er, dass er beschattet wurde.
Er zückte seinen Kugelschreiber, das Einzige, was ihm als Waffe dienen
konnte, und drehte sich um.
„Warum folgst du mir, Fremder?“, wollte er wissen, während er den Baum
beäugte, hinter dem er die Person vermutete. Ein verhaltenes Lachen
antwortete ihm, und im nächsten Moment trat eine Frau aus dem
Versteck. Sie trug einen Umhang aus einer undefinierbaren,
schillernden Farbe, die ständig wechselte, die Spitzen, welche im Wind
wehten, schienen mit der Umgebung zu verschmelzen. Sie hatte eine
Kapuze aufgesetzt, so tief, dass man nur Dunkelheit anstelle eines
Gesichts sah.
„Ich passe auf dich auf“, entgegnete die Frau. Wrimo runzelte die
Stirn. Er brauchte keinen Beschützer, dieses Land barg keine Gefahren
für ihn. Zumindest das wusste er sicher.
„Indem du mich verfolgst?“, wollte er wissen. Sie nickte.
„Das habe ich schon immer. Du hättest mich vermutlich überhaupt nicht
bemerkt, wenn ich mich nicht entschlossen hätte, mich dir zu
offenbaren.“
„Warum das?“, fragte Wrimo. Er glaubte der Frau kein Wort.
„Um dich zu warnen. Die Reise ist nicht so berechenbar, wie du es dir
vorstellst. Du wirst bald feststellen, dass der Weg, den du gehst,
uneben ist, und voller Fallen. Schilder mit verlockenden Angeboten
werden dich fehlleiten, und ich fürchte, es wird dir erst auffallen,
wenn du schon ein ganzes Stück gewandert bist, und nicht mehr zurück
kannst. Denn wenn du zurückkehrst und einen anderen Weg gehst, wirst
du nicht mehr rechtzeitig zum Ziel kommen. Außerdem werden Probleme,
die den Menschen hier auferlegt wurden, schneller gelöst, als du es
aufschreiben kannst, oder sie erwachsen zu monumentalen Hindernissen,
an denen die Helden zerbrechen. Deine Karte vom Weg ist auch
unzuverlässig. Manche Abschnitte sind kürzer, als du dir das
vorstellst, somit kann es sein, dass du dein Tagesziel nicht
erreichst.“
Das waren keine rosigen Aussichten für Wrimo. Wollte diese Frau ihn
von seinem weiteren Weg abbringen?
„Warum sagst du mir das alles?“
„Weil ich möchte, dass du dir darüber im Klaren bist, dass dieser Weg
nicht leicht ist. Doch du kannst es mit meiner Hilfe schaffen. Wann
auch immer du dich mit einem Problem auf deiner Reise konfrontiert
siehst, sei zuversichtlich, dass du es lösen kannst. Du bist der Herr
dieser Welt. Es gibt immer einen Ausweg, solange du gewillt bist, ihn
zu suchen. Oder einen Weg, der um das Hindernis herum führt. Und wenn
du dein Tagesziel einmal nicht erreichst, dann wanderst du am nächsten
Tag halt schneller. Wenn du alleine nicht weiter kommst, werde ich
eingreifen und dir Lösungen aufzeigen, doch du wirst mein Eingreifen
nicht bemerken“, erklärte sie, dann machte sie einen Schritt zurück.
„Ich muss jetzt gehen. Aber schau mal hoch“, fügte sie hinzu. Wrimo
warf einen Blick auf den Himmel, und bemerkte, dass etwas seine Sicht
trübte. Er griff nach dem Hinderniss, zog es vor seinen Körper und
betrachtete es kurz. Dann lächelte er, und lies den Gegenstand los,
woraufhin er wieder an seinen ursprünglichen Platz über Wrimos Schädel
zurück kehrte.
„Ich weiß zwar schon genug, aber eine Frage habe ich noch. Was macht
diese Glühbirne über deinem Kopf?“, wollte er wissen.
„Sie leuchtet, wenn es dunkel wird, und liefert dir Ideen“, sagte die
Frau, und begann, sich langsam in Luft aufzulösen.
„Verrat mir zum Abschied doch deinen Namen“, bat Wrimo.
Der Kopf, der inzwischen als einziger übrig geblieben war, nickte.
„Ich habe viele Namen. Aber die meisten nennen mich...“, sie legte
eine kurze Pause ein, „...Inspiration.“
Dann verschwand sie vollständig.
Ich habe euch diese Geschichte nun erzählt, wie sie mir überliefert
wurde, so dass auch ihr sie weiterverbreiten könnt. Und seit gewiss,
die Inspiration wacht über uns alle, und im richtigen Augenblick wird
sie uns Ideen schicken.
2.) Das erste Kapitel des NaNo-Romans. Es ist zwar fertig geschrieben, aber noch völlig roh, nicht überarbeitet und unzensiert. Genießt es trotzdem. Versucht es zumindest:
Kapitel 1 Unter Brüdern
Wasser. Wasser, soweit das Auge reicht. Es glänzt unter mir
im Licht der Sonne, als würde das Meer aus Glühwürmchen bestehen. So etwas habe
ich noch nie gesehen. Es ist so schön, und doch unbehaglich. Ich bin es
gewöhnt, festen Boden unter meinen Füßen zu haben. Im Moment ist es nur die
fragile Hülle eines Transporters. Vielleicht mögen wir von der Ymir
deshalb auch keine Fluggeräte: Wir wollen einfach nicht fallen. Zumindest nicht
tief. Außerdem ist man in der Luft eventuellen Feinden schutzlos ausgeliefert.
Am Boden kann man sich zum Beispiel aus dem Wrack eines Fahrzeugs befreien,
wenn man angegriffen wurde. Wenn man einen Angriff in der Luft überlebt, wird
man von der Schwerkraft erledigt.
„Alpha?“, kommt eine Stimme aus dem Cockpit. Ich stehe auf
und bewege mich zum Piloten.
„Ja, Olaf?“, entgegne ich und lege dem Piloten meine Hand
auf die Schulter.
„Wir wurden gerade von der Leviathan angefunkt. Sie
verlangen eine Identifikation“, erklärt er und löst einen kleinen, schwarzen
Gegenstand vom Armaturenbrett.
„Mein Name ist Björn, ich bin Gesandter des Carriers Ymir:
Wir erbitten Landefreigabe.“
Ein kurzes Schweigen an der anderen Leitung, dann die
Antwort.
„Erteilt. Station 26, auf dem Oberdeck.“
„Verstanden“, antworte ich. Irgendwie fühle ich mich wohler,
wenn ich stehe. Vielleicht, weil man im Stehen besser reagieren kann. Auch wenn
es im Flugzeug keinen Unterschied ist. Ich bemerke, wie ich die ganze Zeit mit
meinen Fingerspitzen gegen die Rücklehne des Pilotensitzes geklopft habe. Warum
bin ich bloß so nervös? Liegt es am Fliegen? Es ist nicht mein erstes Mal.
Möglicherweise liegt es am Bestimmungsort. Die Ymir war noch nie gut auf
diese ominöse Carrier-Bruderschaft zu sprechen gewesen. Sie denken, sie sind
die mächtigsten, nur weil sie eine Söldnerarmee hinter sich haben. Aber zu
wenige Ressourcen, um sie aufrecht zu erhalten, weshalb sie sich die Rohstoffe
einfach von Anderen nehmen. Nomaden zum Beispiel. Eine merkwürdige Logik. Sie
leben im Wohlstand, aber nur auf Kosten Anderer. Überfälle auf unsere Minen,
vermutlich durchgeführt von Söldnern unter der Federführung der Bruderschaft,
waren schließlich auch der Grund für den Bau des Stählernen Walls. Und wegen
ihm sind wir hier, nehme ich an. Meine Hand greift zur Klinge, die an meinem
Gürtel befestigt ist. Wir werden uns nicht rechtfertigen. Vor niemandem! Am
Horizont wird langsam eine Insel erkennbar. Oder zumindest etwas, was einer
Insel ähnelt, denn das Gebilde, was da auf dem Wasser schwebt, ist von der Form
her viel zu regelmäßig, um natürlichen Ursprungs zu sein. Tatsächlich. Als wir
näher kommen, bemerke ich, dass die Insel aus Metall ist. Ein Wall umgibt sie
von allen vier Seiten, wahrscheinlich ein Schutz gegen die Wellen. Ich blicke
auf Hangars, Rollfelder und Kontrolltürme. Außerdem sehe ich Reihen von Runden
Abdeckungen, die die selbe Farbe haben, wie der Rest der Oberfläche.
Raketenbatterien. Wozu macht man sich die Mühe, sie zu verstecken? Wäre es
nicht wesentlich effektiver, alle Waffen offen zur Schau zu stellen, um den
Gegner einzuschüchtern? Der Platz, der uns zugeteilt wurde, befindet sich am
äußersten Ende der Ansammlung leuchtender Kreise. Das muss der Bereich des
Carriers sein, der für Senkrechtstarter reserviert ist. Einige Leute haben sich
versammelt. Anscheinend ist dies eine Art Ehrengarde. Ich greife an meinen
Gürtel und hole eine weiße Schiene mit zwei Zacken hervor, dann schiebe ich sie
mir in den Mund. Dieses Ding ist das Erkennungsmerkmal unseres Clans. Wenn ich
jetzt den Mund öffne, sieht man nur zwei lange, weiße Zähne. Mit der richtigen
Grimasse kann dies ziemlich einschüchternd sein. Außerdem ist es ein
Mundschutz. Jeder Ymirit hat so einen und setzt ihn immer auf, wenn er in den
Kampf zieht.
Ich werfe einen letzten Blick auf die Wellen vor mir, dann
drehe ich dem Cockpit den Rücken zu und warte darauf, dass sich die Heckklappe
öffnet. Wie von allein gleitet meine Hand wieder zu meiner Klinge. Ich hatte
recht. Die Leute von der Leviathan haben tatsächlich ein
Begrüßungskommitee zusammen getrommelt. Zehn Soldaten, alle in einer Schwarzen
Uniform, die von grauen Linien durchzogen wird. Sie stehen in zwei Reihen, das
Gesicht zum Flieger gerichtet. Am anderen Ende dieser menschlichen Gasse steht
ein Mann und stützt sich auf seinen Krückstock. Als ich den Transporter
verlasse, bemerke ich, dass sich in einigem Abstand Schaulustige versammelt
haben. Kein Wunder, Menschen von der Ymir sind hier selten, und erst
recht keine so gut aussehenden. Als ich die ersten Soldaten passiere, bemerke
ich, dass sie sich umdrehen, und in die entgegengesetzte Richtung schauen. Als
würden sie mich beobachten.
Es dauert nicht lange, bis ich den alten Mann erreiche, der
anscheinend den Trupp anführt.
„Wir hatten Kommandant Leif persönlich erwartet“, sagt er
mit heiserer Stimme. Was ist das für eine Begrüßung?
„Stattdessen habt ihr mich. Was macht es für einen
Unterschied?“, will ich wissen, während ich die Arme verschränke und mich
demonstrativ vor ihm aufbaue.
„Spar dir die Drohgebärden für später auf“, sagt der Kerl,
dann dreht er sich um und geht.
Ich folge ihm in einigem Abstand, meine Hand ruht stets an
meiner Klinge. Ich bin auf feindlichem Gebiet, also werde ich mich nicht
benehmen, wie ein Freund. Man führt mich quer über die Landebahn. Auf einmal
öffnet sich direkt vor unserer Nase ein Spalt im Boden, zwei Platten, identisch
gefärbt, wie die Landebahn, schieben sich zur Seite und geben den Blick auf
eine Treppe frei, die nach unten führt. Warum zum Teufel müssen diese Leute
immer alles verbergen? Bei uns gibt es ein Sprichwort diesbezüglich: „Der
Carrier ist der Spiegel zur Seele“. Unserer ist groß, stark und stellt alles
zur Schau, was er besitzt. Dieser hier ist unförmig und verbirgt alles, was man
nur verbergen kann. Niederträchtig. Unten stehen weitere Soldaten, alle ähnlich
angezogen, wie das Empfangskommitee, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass
sie nicht ihre Standartuniform tragen.
Man führt mich in einen Konferenzraum. Gegenüber der Tür
befindet sich eine holographische Projektion einer Unterwasserlandschaft. Davor
stehen einige Tische, die in einem Halbkreis aufgestellt sind. Die zwei Enden
zeigen in meine Richtung. Außer mir befinden sich nur drei weitere Personen im
Raum. Eine Frau mittleren Alters mit lila Haaren und einem schwarzen Mantel,
der einen überdimensionierten Kragen hat, sowie einen bärtigen, groß
gewachsenen Mann.
„Wo sind die Abgesandten der Titanen?“, frage ich. Der alte
Mann zuckt mit den Schultern.
„Was macht das für einen Unterschied, ob du uns Rede und
Antwort stehst, oder denen?“, fragt er.
Rede und Antwort stehen? Ich stehe niemandem Rede und
Antwort.
„Erlaube mir, mich vorzustellen. Mein Name ist Hiob, ich bin
Kommandant des Carriers Behemoth, dies ist Viola von der Nephilim
und zu meiner Rechten befindet sich unser Gastgeber, Jonathan, Kommandant der Leviathan.“
Ich nicke kurz. Mich interessiert nicht, wer mir gegenüber
steht, mich interessiert, was diese Leute wollen.
„Warum bin ich hier?“
„Damit wir gewisse...Maßnahmen deines Carriers begreifen“,
erklärt Hiob.
„So, so. Welche wären das?“
Hiob lehnt sich zurück und formt mit seinen knöchrigen
Fingern eine Pyramide.
„Letzte Woche ist einer unserer Konvois einem...wie nennen
sie es...ach ja, Wolfsrudel ihres Carriers zum Opfer gefallen.“
Ich schüttle den Kopf.
„Das waren Späher!“, entgegne ich . Hiob kneift seine Augen
zusammen.
„Späher, getarnt als Schwerlasttransporter?“
„Im Laderaum kann man hervorragend Sensoren unterbringen!“,
unterbreche ich ihn.
„Aber dafür ist man jeglichem Angriff schutzlos
ausgeliefert.“
„Nicht, wenn man über genügend Luftunterstützung verfügt.
Oder gehörten die zwei Jäger, die wir vom Himmel geholt haben, etwa nicht
ihnen?“, entgegne ich.
„Sie gehörten einer Söldnergruppe an, die in der
Vergangenheit mit uns zusammengearbeitet hat. Es ist ein offenes Geheimnis,
dass die Behemoth die Ausrüstung für unsere...Hilfstruppen stellt“, sagt Viola
in einem beeindruckend ruhigem Ton. Ja. Diese Tatsache ist mir bekannt.
„Greifen diese Söldner deshalb nur Minen an, die uns
gehörten?“
Viola schüttelt den Kopf. „Deshalb wurden sie entlassen.“
„Ich glaube ihnen nicht!“
Hiob zuckt mit den Schultern.
„Das steht dir frei. Wir, und damit meine ich die gesamte
Bruderschaft, sind sehr besorgt über die Politik ihrer Führung. Durch Angriffe
auf zivile Fahrzeuge und militärische Ziele der Bruderschaft machen sie sich
nicht beliebt.“
„Das gilt auch für ihre Spionageaktionen.“
„Was hätten wir auskundschaften sollen, an einem Ort mitten im
vereisten Niemandsland?“
Ich öffne meinen Mund zum Sprechen, doch dann halte ich
inne. In dem Gebiet, wo wir den vermeintlichen Transporter gefunden haben,
befindet sich eins unserer geheimen Projekte. Eigentlich hätte niemand davon
erfahren sollen, was sich dort befindet. Deshalb haben wir nicht gezögert,
sondern den Schwerlasttransporter, der sich angeblich bloß verfahren hat, ohne
zu Zögern zerstört. Ebenso die beiden Jäger, die wahrscheinlich geschickt
wurden, um nach dem Späher zu sehen. Jetzt darf ich bloß nicht die Information
preisgeben, die sie erbeuten wollten. Ich bemerke, dass Hiob mich gespannt
anschaut. Er wartet nur darauf, dass ich mich verplappere. Aber das wird nicht
passieren, dafür beherrsche ich mich zu gut.
Plötzlich klappt sich der Tisch vor Jonathan auf und ein
Monitor kommt zum Vorschein. Wie viel wollen diese Leute noch verstecken? Der
Kommandant des Carriers wirft einen kurzen Blick auf die Anzeige, dann runzelt
er die Stirn.
„Sagen sie...“, er hält inne, weil er meinen Namen nicht
kennt.
„Björn. Oder ehrenwerter Alpha, wenn sie mich beim Rang
nennen wollen“, erwidere ich und strecke die Arme etwas vom Körper, wodurch ich
muskulöser wirke, als ich eigentlich bin.
Jonathan lässt sich nichts anmerken.
„Warum haben sie uns nicht darüber informiert, dass weitere
Ymiriten ihnen folgen?“
„Was?“
„Drei Transporter sind soeben auf unserem Radar erschienen.
Sie haben Landefreigabe erbeten und drei gültige Kennungen übermittelt. Wie
wollen wir verfahren, Alpha?“
Mir entgeht der leicht amüsierte Tonfall nicht, mit dem er
das Wort „Alpha“ ausspricht. Das wird er noch bereuen, nachdem ich
herausgefunden habe, was die Verstärkung von der Ymir hier will.
Zweifelt Leif an meinen Fähigkeiten? Warum setzt er sich dann nicht mit mir in
Verbindung? Und warum schickt er gleich drei Transporter?
„Möglicherweise sind dies Händler“, wirft Viola ein.
Jonathan schüttelt den Kopf.
„Wir erwarten keine Händler von der Ymir“
„Lassen wir sie landen“, sagt Hiob. Jonathan nickt.
„Wie ihr wünscht.“
„Kommandant Hiob. Wir wissen nicht, was sich an Bord dieser
Transporter befindet“, sagt Viola.
Er nickt. „Das ist wahr. Aber wir haben keinen Grund zu der
Annahme, dass sich darin etwas befindet, was uns gefährlich werden könnte.
Oder?“, sagt er und dreht sich zu mir. Ich schüttle den Kopf. Jonathan steht
auf.
„Würden sie mich begleiten, Björn? Ich bin sicher, die
Mitglieder des Rudels werden hoch erfreut sein, zu sehen, dass ihr Alphatier am
Leben ist.“
Ich balle meine Faust und beobachte aus dem Augenwinkel, wie
eine der Wachen, die bisher unauffällig an der Tür gelehnt haben, ihr Gewehr
etwas fester umklammert. Der Mann hat Angst. Das sollte er auch. Wir von der Ymir
sind berüchtigt für unsere Wildheit und unseren Kampfgeist. Das kann er nicht
ausgleichen, auch nicht durch bessere Bewaffnung. Denn was nützt eine Waffe,
wenn man nicht bereit ist, sie zu benutzen? Ich werfe ihm einen grimmigen Blick
zu und beobachte amüsiert, dass er seine Finger noch fester an die Waffe
klammert (klingt scheiße, ändern).
Ich folge Jonathan aus dem Raum, im Vorbeigehen fletsche ich
meine künstlichen Zähne dem verängstigten Soldaten entgegen.
Wir gehen den selben Weg, den wir gekommen sind, dann hinauf
zur Treppe. Die Transporter sind bereits in Sichtweite, man hört das Tösen
ihrer Triebwerke. Ich bemerke, dass inzwischen mehr Soldaten an Deck gekommen
sind, sie haben schwarze Uniformen an, die in regelmäßigen Abständen von blauen
Linien durchzogen werden. Also ist dies die wahre Uniform.
Einer der Transporter beginnt den Landeanflug. Er sieht aus,
wie ein Keil, an dem in regelmäßigen Abständen Triebwerke befestigt sind. Diese
Fluggeräte sind auf größere Lasten ausgelegt, als der Flieger, der mich hierher
gebracht hat. Langsam öffnet sich die Frachtluke, und ein Jeep fährt heraus.
Das sind Fahrzeuge des Wolf-Typs, aber irgendwie sehen sie nicht so aus wie
diejenigen, die von der Ymir verwendet werden. Kaum hat das Fahrzeug den
Transporter verlassen, folgt ein zweites, dann ein drittes. Auch die zwei
anderen Fluggeräte haben die selbe Fracht.
„Was geht hier vor?“, will Jonathan wissen, doch ich habe
keine Zeit zum Antworten, denn im nächsten Moment eröffnet einer der Jeeps das
Feuer. Sofort gehen einige Soldaten von der Leviathan zu Boden. Ich ziehe meine
Klinge, doch bevor ich mich versehe, spüre ich Jonathans Waffe an der Schläfe.
Gleichzeitig hebt er seinen anderen Arm. Ein Gerät wird an einem Unterarm
sichtbar. „Fracht hoch“, sagt er. Im nächsten Moment rast einer der Jeeps
direkt auf uns zu, an seiner Stoßstange ist eine Schaufel angebracht, die mit
Stacheln verziert ist. Jonathan richtet seine Waffe auf den Wolf. Ich bemerke
erstaunt, dass es eine Armbrust ist, das Erkennungszeichen aller Soldaten der
Behemoth. Anscheinend auch der Leviathan. Ein kurzes Zischen ertönt. Ich sehe
das Projektil nicht, aber die Explosion, die das Fahrzeug in einen Feuerball
hüllt, überzeugt mich davon, dass er getroffen hat. Sekundenbruchteile später
fliegt die brennende Karosserie über unseren Köpfen hinweg. Aus dem Augenwinkel
erhasche ich eine Bewegung. (Hier muss noch was hin!) Ein kurzer Blick zu
Jonathan. Er hat sich umgedreht und blickt auf das brennende Wrack. Sofort
nutze ich meine Chance und springe zur Seite, gerade als sich etwas aus dem
Boden erhebt. Augenblicke später bin ich im Liegen auf der Höhe von Jonathans
Kopf. Hier oben wird er nicht nach mir suchen, das heißt, ich bin sicher.
Schade, dass ich keine Gewehre oder Ähnliches dabei habe. Mein Blick gleitet zu
Jonathans Armbrust. Eine wunderbare Waffe. So klein und unscheinbar, aber doch
so mächtig, was vor allen Dingen an den vielfältigen Modifikationsmöglichkeiten
für die Geschosse liegt. Eben hat Jonathan zum Beispiel ein
Hochexplosivgeschoss verwendet. Derweil sind entlang des gesamten Decks
Container aus dem Boden gewachsen. Ein genialer taktischer Zug, es erschwert
das Manövrieren, verlangsamt somit die Wölfe, die sonst vor allem durch ihre
Schnelligkeit punkten, außerdem bietet es zusätzliche Deckung. Für Infanterie,
aber auch für mich. Irgendwo weiter hinten sticht plötzlich eine Flamme in den
Himmel, mehrere Sekunden später erhebt sich ein weiterer Container an derselben
Stelle. Anscheinend war der Wolf zu schnell unterwegs. Plötzlich höre ich unter
mir Schritte. Zwei Soldaten lehnen sich an meinen Container. Sofort zücke ich
meine Klinge. Wenn ich da jetzt herunter springe, habe ich die Beiden erledigt,
ehe sie mich überhaupt bemerken. Auf einmal kommt ein Wolf mit quietschenden
Reifen zum Stehen. Ich sehe das sadistische Grinsen des Schützen, als er seine
Waffe auf die beiden Soldaten richtet. Ein Grinsen gleitet über meine Lippen.
Das ist die Blutrache für die zerstörten Wölfe. Doch dann bemerke ich, dass
sich das Geschütz von der Standartausrüstung der Fahrzeuge der Ymir befindet.
Statt der gewohnten sechs Läufe einer Gatling sehe ich einen einzigen dicken
Zylinder ohne Mündung. Irgendetwas an der Spitze leuchtet kurz auf, ich sehe
Blut aus den Leibern der Soldaten spritzen, dann gehen sie zu Boden. Kein
Knall, kein Mündungsfeuer, aber doch fliegt eine Hülse nach hinten? Das müssen
Laserpatronenwaffen sein. Und die benutzt niemand auf der Ymir. Schlagartig wird mir alles klar. Das sind gar keine Ymiriten.
Das sind unbekannte Angreifer, die sich als Leute von der Ymir ausgeben. Sie
werden den Ruf des Carriers nicht...was war das?
Etwas ist gerade gegen den Container geprallt. Im nächsten
Moment sehe ich zwei metallische Klauen, die sich langsam empor quälen. Meine
Klinge beginnt zu surren, als die beiden Sägeblätter, aus denen sie besteht,
anfangen, zu rotieren. Mit einem Satz bin ich am Rand des Containers und beuge
mich herab. Ein Kampfroboter klettert an der Wand empor. Den zwei Klauen, in
denen je ein beeindruckend großes Rohr verborgen ist, und dem flachen Panzer
auf dem Rücken zu urteilen ist es eine Krabbe, ein Kampfroboter, der von Forschern
der Leviathan entwickelt wurde. Eine
der Klauen bewegt sich auf mich zu. Sofort lege ich mich flach auf den Boden,
strecke die Klinge nach unten und sehe den Funken zu, die aus dem Metall
fliegen, als sich meine Waffe mit einem hungrigen Kreischen in den Roboterarm
bohrt. Im nächsten Moment fällt die Klaue zu Boden. Gerade rechtzeitig, denn
der andere Arm des Roboters hat mich derweil erfasst. Ich kann meinen Kopf
gerade rechtzeitig aus der Schussbahn nehmen, und eine Salve Projektile jagt in
den Himmel, jedes verursacht einen kurzen Luftzug an meinen Haaren. Sofort
reift in mir ein Plan. Mein Hirn will gerade protestieren, aber ich gebe ihm
nicht genug Zeit dafür, sondern rolle mich über den Rand des Containers. Es ist
eine Punktlandung. Ich lande direkt auf der Sensorscheibe des Roboters.
Normalerweise zeigt sie nach vorne und ist sie durch den Panzer nach oben hin
abgeschirmt, doch da der Roboter senkrecht steht, zeigen die Sensoren zum
Himmel. Nun, da ich auf ihnen stehe, sind sie blockiert. Ich hocke mich hin,
hebe die Klinge hoch, dann stoße ich sie mitten in die Scheibe und blende das
Ding somit. Zur Sicherheit schlage ich auch noch den zweiten Waffenarm ab. Dann
springe ich vom Container. Es wird Zeit, aktiv in den Kampf einzugreifen. Ich
nehme die beiden Waffen der gefallenen Leviathan-Soldaten an mich. Naja,
eigentlich eine, aber ich nehme die Munition der anderen Waffe auch mit. Sicher
ist sicher. Vorsichtig bewege ich mich entlang der Container, stets darauf
bedacht, alles zu erschießen, was sich bewegt. Egal, ob es zur Leviathan oder zu den unbekannten
Angreifern gehört. Ich werde den Carrier wahrscheinlich sowieso nicht lebend
verlassen, also nehme ich möglichst viele Feinde mit, bevor es mich erwischt.
Ein Soldat von der Leviathan kommt hinter der Deckung hervor. Ich reiße
instinktiv mein Gewhr hoch, und im nächsten Moment erscheint ein roter Fleck
auf der Brust meines Gegners, der sogleich durch ein blutiges Loch ersetzt
wird. Ich knurre angewidert. Also habe ich eine Laserpatronenwaffe erwischt.
Verdammt. Ich konnte diese Geräte nie ausstehen. Sie überhitzen mir zu schnell.
Auf einmal fällt mein Blick auf einen silbrigen Gegenstand, der am Gürtel des
toten Soldaten befestigt ist. Mit einem Grinsen hebe ich die Armbrust auf. Dann
bemerke ich einen Wolf in einiger Ferne, der gerade Infanteristen
niederschießt. Der Schütze hat mir den Rücken zugedreht. Perfekt. Ich reiße die
Armbrust hoch, ziele kurz und schieße dann. Zu meiner Überraschung zieht der
Pfeil ein Seil hinter sich her. Sofort, als er sich ins Fleisch des
Ahnungslosen gebohrt hat, aktiviert sich der Rückspulmodus, der normalerweise
dazu gedacht ist, den Benutzer zum Beispiel an Wänden emporzuziehen. Da der
Enterhaken nun jedoch nur unzureichend Halt gefunden hat, kommt nun die zweite
Funktion des Rückspulmechanismus zum Einsatz. Er holt den Haken wieder ein.
Mitsamt der Wirbelsäule des Gegners, denn die Greifhaken haben sich offenbar
tiefer in sein Fleisch gebohrt, als ich angenommen habe. Sofort lasse ich den
Haken los, denn ich möchte nicht sterben, indem ich von einer fremden,
abgetrennten Wirbelsäule erschlagen werde. Der Knochen fällt zu Boden. Ich atme
erleichtert auf und halte Inne. Es sind keine Kampfgeräusche zu hören, der
Angriff wurde also zurückgeschlagen…die Wand aus Feuer kommt völlig
überraschend. Sofort weiche ich einen Schritt zurück und schaue mich nach dem
Ursprung um. Schnell werde ich fündig. Eine Krabbe steht auf einem der
Container, den Panzer hat sie aufgeklappt und somit vier rohre enthüllt.
Raketenwerfer. „Keine Bewegung!“, ruft plötzlich jemand und ehe ich mich
versehe, bin ich von Soldaten umstellt. Im nächsten Moment hört meine Waffe auf
zu surren. Als ich meine Hand anschaue stelle ich fest, dass ich nur noch den
Griff in der Hand halte. Der Rest wurde mir wohl von einem Laser weggeschossen.
Zwei der Soldaten treten kurz zur Seite und machen Platz für Hiob und Jonathan.
Violet folgt ihnen in einigem Abstand. Ich kann sehen, dass Jonathans Augen vor
Wut brennen.
„Was zum Teufel sollte das?“, brüllt er mir entgegen,
während er sich mit schnellen Schritten auf mich zu bewegt. Ich knacke mit
meinen Fingerknöcheln. Wenn er einen Kampf will, soll er ihn kriegen. Aber
vorher wird er die Wahrheit erfahren.
„Das waren wir nicht! Niemand von der Ymir benutzt Laserpatronen!“
„Und niemand außer der Ymir
besitzt Wölfe!“, erwidert Jonathan. Niemand außer die unzähligen Nomadenstämme,
denen wir diese Fahrzeuge ebenfalls verkauft haben. Aber davon sollte niemand
etwas wissen. Natürlich! Jetzt macht alles einen Sinn. Einer dieser
Nomadenstämme war anscheinend eine Söldnergruppe, die diese Fahrzeuge
aufgerüstet hat und sich nun als Ymiriten ausgibt.
„Was eben passiert ist, ist ein Akt grundloser Aggression
gegen einen Carrier. Und das während einer Verhandlung. Wir werden unsere
Truppen in Alarmbereitschaft versetzen und jeglichen Kontakt mit ihrem Carrier
beenden!“, sagt Jonathan, dann dreht er sich um und geht.
Hiob baut sich vor mir auf, ein überlegenes Grinsen umspielt
seine Lippen. Sofort wird mir alles klar.
„Du weißt, dass das keine Ymiriten sind, oder?“, flüstere
ich entsetzt.
Er nickt.
„Natürlich weiß ich das!“, sagt er, und im nächsten Moment
sehe ich in den Lauf einer Waffe.
Thursday, September 13, 2012
yatu lebt!
Gestern ist ein seit langer Zeit ein neuer yatu-Post heraus
gekommen. Davor hörte man ein halbes Jahr lang nur sporadisch von dem Projekt,
alle zwei oder drei Monate erschien ein neuer Beitrag. Der Grund hierfür liegt
in der Struktur des Projekts.
Wie ich in einem meiner vorhergegangenen Blogposts bereits
erklärt habe, lebt yatu von Interaktionen. Jeder kontrolliert nur eine Partei
in diesem System. Die Story, die Geschehnisse dieses Systems, ist nicht
vorgeschrieben sondern entsteht spontan, durch Aktionen und Interaktionen der
jeweiligen Parteien untereinander. Aber was passiert, wenn eine Partei nicht
reagiert? Was passiert, wenn jemand nicht posten kann, weil er andere
Verpflichtungen hat? Seine Handlungsunfähigkeit verzögert die Entfaltung der
Story. Noch schlimmer wird es, wenn die Verpflichtungen so stark werden, dass
jemand überhaupt nicht mehr am Projekt teilnehmen kann. So ist es dem
Projektmitglied ergangen, das unter dem Pseudonym „Desolator“ schreibt. Er trat
aus dem yatu-Projekt aus und bat darum, dass seine Partei künftig nicht weiter
verwendet wird und im Prinzip einfach aufhört, zu existieren.
Jedoch haben Desolator und ich abgemacht, künftig unsere
Parteien stärker miteinander interagieren lassen, und einige bereits
veröffentlichte Posts darauf ausgerichtet.
Nun, mit Desolators Verschwinden, sah ich auch meine Zukunft
im Projekt bedroht, da ich große Teile meiner Handlung auf Interaktionen mit
ihm ausgelegt habe. Im Endeffekt ist es nicht so schlimm gewesen, wie es
aussah, das Projekt geht nun ohne Desolator weiter und einige meiner
Handlungsstränge verlaufen zwar im Sand, aber dafür öffnen sich neue Türen.
Während ich über die Zukunft des Projekts nachdachte und
beriet, war ich jedoch schreiberisch nicht untätig, und habe eine
Kurzgeschichte verfasst, in der ich den Werdegang von Zekko, einem meiner Protagonisten
im Projekt, beschrieben habe, bevor er sich in meinem ersten yatu-Post auf
einem Schlachtfeld wieder findet und die Frau, in die er seit Kindertagen verliebt
war, ihm das Leben rettet. Hier ist die Geschichte, viel Spaß beim Lesen….obwohl,
nein, ich gebe euch erst einmal nur den Prolog.
Das Gerät fängt an zu surren, kaum dass ich es berührt habe.
Wie eine natürliche Abwehrreaktion eines Tieres, das zu schwach ist, um sich
anständig zu wehren und deshalb auf seiner Sprache droht.
Ich betrachte es genauer. Vom Aussehen her ähnelt es einer
verchromten Pistole mit einem etwas dunkleren Zylinder, der den Großteil des
Laufs einnimmt, vier metallischen Ringen, die ihn umgeben, sowie einem zweiten,
etwas kleineren Zylinder, der senkrecht daran befestigt ist. Ich richte die
Konstruktion von mir weg und ziele auf einen Felsbrocken einige Schritte von
mir entfernt. Auf einmal fangen die silbernen Ringe an, rötlich zu glühen.
Bevor ich reagieren kann, spüre ich einen kurzen Ruck, sehe einen kleinen
Schatten, dann explodiert etwas in einem gleißenden Feuerball unmittelbar vor
mir. Eine Welle heißer Luft prallt gegen mein Gesicht. Als ich mich umsehe,
sehe ich eine schmächtige, grüne Kreatur mit auffällig spitzen Ohren neben mir
stehen. Das Wesen sieht aus, wie ein Mensch, ist aber höchstens einen Meter
groß. Ein Goli. Offenbar hat er mir die Pistole aus der Hand gerissen, sie
weggeworfen und uns beiden somit das Leben gerettet.
„Gute Granate!“, sagt er und nickt in Richtung des Rauches,
der nun an Stelle der Flammen getreten ist.
„Was habe ich falsch gemacht?“, will ich wissen. Das ist
schon mein dritter Versuch, meine eigene Waffe zu bauen. Und mein dritter
Fehlschlag.
„Kühlung“, antwortet er. Logisch. Sonst wäre das Gerät eben
auch nicht überhitzt.
„Aber ist die Stickstoffzelle nicht genug?“
Der Goli schüttelt den Kopf.
„Nein. Außerdem...“, er reibt sich kurz über das Kinn,
„...wie willst du verhindern, dass sich die Kühlflüssigkeit erhitzt?“
„Worauf willst du hinaus?“, will ich wissen.
„Du kannst das Gerät nur wenige Male benutzen, bevor es so
endet wie dieser Prototyp. Es sei denn...“
„Zekko!“
Eine Mädchenstimme unterbricht das Gespräch, ich kenne sie
nur zu gut.
„Armia!“, antworte ich automatisch und drehe mich um. Ein
Mädchen mit hellblonden, fast schon weißen Haaren, die zu einem Zopf
zusammengebunden sind, lehnt an einem übermannshohen Pfeiler, der einst wohl
Teil eines größeren Gerüsts war. Hinter ihr steht ein etwas älterer Junge mit
genauso blonden Haaren, sein Mund ist bedeckt von einem Tuch mit einem
eigenartigen Muster. Ein horizontaler Strich, der von vielen vertikalen
Strichen gekreuzt wird. Wie eine Narbe, die ihm quer über das Gesicht geht. Das
ist Procius, Armias Bruder.
„Schon wieder deine merkwürdigen Versuche?“, knurrt er
abschätzig. Merkwürdige Versuche? Irgendwann baue ich diese Waffe und dann
zeige ich es ihm. Ich kann mir schon sein Gesicht vorstellen, wenn er sieht,
wie ich Steine schmelze, als seien sie aus Eis. Vorausgesetzt, er nimmt diesen
lächerlichen Stoffetzen ab.
„Hey. Er schafft das!“, ruft Armia, wobei sie mir
aufmunternd zunickt. „Außerdem hat er ja einen Experten an seiner Seite.“
Bei diesen Worten verbeugt sich der Goli kurz. Plötzlich
hält er inne. Ich bemerke, wie sich sein Körper versteift und sein Gesicht sich
langsam zu einer angsterfüllten Grimasse verzerrt.
„Chimäre!“, kreischt er plötzlich, und im Nu ist er unter
einem Haufen Schrott verschwunden. Kaum hat er das gehört, erwacht Procius zum
Leben. „Eine Chimäre? Wo!“, ruft er. Ich seufze. Er war schon immer ein
hitzköpfiger Draufgänger, aber jetzt übertreibt er. Chimären sind extrem
gefährliche Raubtiere, die jedem Erdaner körperlich überlegen sind. Selbst die
Yad haben mit ihnen Probleme. Procius will doch nicht etwa...wo ist er
überhaupt? Als ich mich umblicke, ist er verschwunden. Aus dem Augenwinkel sehe
ich Armia um die Ecke biegen. Ohne zu zögern laufe ich ihnen hinterher.
Plötzlich bleibt Procius vor uns stehen. Vor uns befindet sich nun eine
weitgehend ebene Fläche, die zu drei Seiten von einer Wand aus Schrott
abgegrenzt wird. Direkt vor der Wand befinden sich mehrere kleine Erdhügel, die
aussehen, wie kleine Gräber. An einem dieser Häufchen macht sich gerade eine
schuppige Kreatur mit sechs Gliedmaßen, einem Schnabel und einem Stachel am
Schwanz zu schaffen. Die Chimäre.
„Bist du bereit?“, fragt Procius, und zieht ein Metallrohr
aus dem Schrotthaufen neben sich.
Armia seufzt und stellt sich vor ihn.
„Hör auf! Du wirst uns alle umbringen!“
Er schiebt sie sanft zur Seite und blickt wieder zu mir.
„Na, Zekko, hast du Angst?“, fragt er höhnisch. Ich nicke.
„Ja, Procius, ich habe Angst“, sage ich. Es stimmt, im
Moment habe ich Todesangst, denn dieses Biest sieht wirklich furchterregend
aus. Procius grinst.
„Ich aber nicht!“, ruft er und stürmt der widerlichen Bestie
entgegen. Ich renne ihm hinterher. Procius bleibt vor der Bestie stehen und
wackelt mit seinem Körper hin und her, während er das Metallrohr mit beiden
Händen festhält. Offenbar hat er es mit der Angst zu tun bekommen. Die Bestie
dreht die Spitze ihres Schwanzes zu dem Jungen. Zwei Schuppen klappen sich
hoch, darunter kommen schwarze Kügelchen zum Vorschein. Dieses Vieh hat Augen
auf dem Schwanz! Ich blicke kurz zu Armia, doch sie ist vor Schreck wie
gelähmt. Ihr Gesicht ist kreidebleich und Tränen sammeln sich in ihren Augen.
„Procius...“, flüstert sie. Das ist das Schlimmste, was man
tun kann. Zuzusehen, wie ein Freund stirbt, weil man sich selbst nicht traut,
ihm zu helfen. Auf einmal macht Armia einen Schritt nach vorne.
„Ich werde mit ihm kämpfen!“, sagt sie und ballt ihre Faust.
Ich lege meine Hand auf ihre Schulter. „Nein, besser, wir laufen zur Siedlung
und holen Verstärkung!“, entgegne ich.
„Dann stirbt er!“, kreischt Armia
„Besser einer, als drei!“, sage ich, selbst erstaunt über
meine Kaltblütigkeit. Sie sieht mich mit Entsetzen an.
„Das meinst du nicht ernst...“, keucht sie, dann, ehe ich
mich versehe, läuft sie los. Derweil hat sich die Bestie vollständig zu Procius
umgedreht, er steht immer noch wie festgewachsen vor ihr. Der Schwanz der
Chimäre kreist um das Gebiet, beobachtet die Umgebung, schaut sich nach
weiterer Beute um. Das kalkfarbige Maul des Biests hat schwarze Flecken um den
Schnabel herum. Augenblicklich wird mir alles klar. Das ist Yadblut. Dieses
Vieh hat Yadeier gefressen. Auf einmal richtet sich der Schwanz auf, die zwei
Augen fixieren Armia. Sie bemerkt es nicht einmal. Procius traut sich immer
noch nicht, anzugreifen. Scheiße. Ich muss etwas unternehmen. Ich greife in den
Trümmerhaufen, der Teil der Mauer ist, und hole ein kleines, schweres Gerät
heraus. Ich habe keine Ahnung, wofür man es braucht, aber das ist mir auch
egal. Ich brauche es als Geschoss. Eine Sekunde reicht mir zum Zielen, dann
schleudere ich das Objekt auf den Schwanz zu. Ich treffe genau das Auge. Sofort
erwacht die Bestie zum Leben und verfällt in eine Raserei, ausgelöst durch den
Schmerz. Der Stachel schießt nach vorne und bohrt sich knapp neben Armia in den
Boden, gleichzeitig schnappt die Bestie mit dem Maul nach Procius, doch er
weicht aus und lässt gleichzeitig seine Metallkeule auf den schuppigen Hals der
Kreatur niederkrachen. Ich werfe Armia einen weiteren Metallstab zu, damit sie
sich auch im Nahkampf verteidigen kann, doch die Bestie wehrt ihn mit ihrem
Schwanz ab und schleudert ihn mir vor die Füße. Ich sehe, wie Procius an einem
Schrotthaufen emporklettert, offenbar will er das Vieh von da oben mit Abfällen
bewerfen. Kluge Idee. Aber ich muss mich um Armia kümmern. Der Schwanz richtet
sich wieder auf, um erneut anzugreifen. Ich werfe ein weiteres Metallteil nach
dem verbliebenen Auge, aber ich verfehle. Mist. Doch wenigstens habe ich die
Kreatur abgelenkt. Aus dem Augenwinkel sehe ich Armia davonlaufen. Gut, sie ist
in Sicherheit. Jetzt kämpfe ich allein gegen dieses Monster. Blitzschnell gehe
ich meine Optionen durch. Eigentlich ist es aussichtslos: Ich darf meine Augen
nicht von seinem Schwanz lassen, sonst bin ich aufgeschmissen. Aber selbst wenn
ich das Ding unablässig beobachte, kann ich wahrscheinlich nicht schnell genug
reagieren, wenn die Chimäre zuschlägt. Armias Schrei reißt mich aus meinen
Gedanken. Sie wird von zwei Klauen festgehalten. Na klasse. Der Mundteil des
Monsters hat sie zu fassen gekriegt. Ich schaue hoch zu Procius, er kramt im
Müllberg herum. Was auch immer er da sucht. Plötzlich höre ich das gequälte
Kreischen von Metall, das auf etwas ähnlich Hartes trifft, und im nächsten
Moment fällt der Schwanz der Monströsität vor mir auf den Boden und wirbelt
eine Staubwolke auf. Instinktiv hebe ich meine Hände vor's Gesicht und schließe
meine Augen. Als ich sie wieder öffne, steht eine mindestens zwei Meter große
Kreatur in einer silbrigen Rüstung auf dem Rückenpanzer der Chimäre und hält
eine Axt in der Hand, die ruhig vor sich her summt. Jetzt erst sehe ich, dass
es eigentlich keine Axt ist, sondern eher ein Stab, der eine Scheibe und einen
Motor hält. Die Scheibe dreht sich unablässig.
Er greift hinter sich und hebt den Kopf der toten Kreatur in
einer Geste des Triumphs hoch. Dann springt er von der Leiche herunter und
bewegt sich auf mich zu. Jetzt erst bemerke ich, dass die silberne Rüstung ihn
vollständig bedeckt, von Kopf bis Fuß. Das muss ein Yad sein, die dominante
Rasse der GEYA-Union. Man sagt, sie können ohne Wasser nicht überleben, deshalb
müssen sie ständig in einer mit Wasser gefüllten Rüstung herumlaufen.
„Dein Name“, höre ich den Yad knurren. Er muss einen
Lautsprecher in der Rüstung haben, der mit seinem Kehlkopf verbunden ist.
„Zekko...“, antworte ich zögernd. Er nickt.
„Dein Name“, sagt er dann und dreht sich zu Armia um, die
ängstlich hinter dem Chimärenpanzer hervorschaut.
„Armia“, piepst sie und macht einige unbeholfene Schritte
auf uns zu. Sie ist unverletzt. Gut.
„Ihr zwei – Eier gerettet. Das – große Ehre für Erdaner“,
erklärt der Yad. Ich schüttle den Kopf.
„Nicht zwei, sondern drei!“, entgegne ich und zeige auf
Procius, der auf einem Schotthaufen steht und einen Klumpen
zusammengeschmolzenes Metall in der Hand hält. Ohne ihn wären wir zwar nicht
hier, aber er hat auch mit uns gekämpft, somit sollte er auch seinen Anteil am
Lob bekommen.
„Das – Feigling!“, erklärt der Hüne.
„Ich bin kein Feigling!“, ruft Procius, während er von dem
Trümmerberg herunter klettert. Der Yad stampft mit schnellen Schritten auf ihn
zu, greift ihn am Nacken und ehe ich mich versehen habe, drückt er ihn herunter
und hält ihm seine Axt an den Schädel.
„Ehrenloser Kampf genauso wie gar kein Kampf“, sagt er, dann
erhebt er sich und stampft zu uns zurück. „Mein Name Suniga“, sagt er, dann
dreht er sich um und geht. Nach einigen Schritten bleibt er stehen. „Mit zu
Erdanersiedlung?“, will er wissen. Ich nicke und folge ihm mit Armia. Procius
trottet in einigem Abstand hinterher.
Die Siedlung ist überhaupt nicht weit entfernt, wenn man
sich auf einen besonders hohen Trümmerhaufen stellt, kann man die Mauer und die
Wachtürme sehen. Die Verteidigungsanlagen beeindrucken mich jedes Mal, obwohl
ich hier aufgewachsen bin und sie jedes Mal durch das Fenster sehe. Mir fällt
auf, dass fast nur Erdaner die Siedlung bewachen, sie patroullieren mit ihren
Waffen an der Mauer entlang oder sitzen an Ionenkanonengestellen in den
Wachhäuschen. Eigentlich nicht verwunderlich, weil nur Erdaner in der Siedlung
leben, aber andere erdanische Siedlungen werden normalerweise auch von Yad
bewacht. Vor dem Tor stehen zwei Soldaten in dunkelbraunen Rüstungen, mit
Helmen und Gewehren. Die erdanische Uniform für Unionsdiener. Alle tragen eine
Art Säbel am Gürtel, es ist Vorschrift, stets eine Nahkampfwaffe mit sich zu
führen, ausgenommen sind lediglich die mysteriösen Akhi. Nur die Wenigsten sind
je welchen begegnet. Die Wachen nicken kurz, einer hält sich seine Hand in sein
Funkgerät und murmelt etwas Unverständliches. Unsere Eltern stehen schon am Tor
und warten. Eher gesagt, die Eltern von Procius und Armia. Seit meine tot sind,
haben sie mich bei sich aufgenommen und stets wie ein eigenes Kind behandelt.
Die Gesichter der Beiden sind von Sorgefalten gezeichnet.
„Habt ihr wieder auf dem Schrottplatz gespielt?“
Die Frage der Mutter ist an niemanden Bestimmtes gerichtet.
Armia und Procius senken die Köpfe.
Suniga bewegt sich zu den beiden Erdanern zu.
„Diese beiden – Helden!“, sagt er.
„Was haben sie denn getan?“, will der Vater wissen.
„Brut gerettet“, antwortet der Yad. Komische Wesen. Sie
zeigen nie Emotionen, wenn sie sprechen.
„Dieser hier“, sagt Suniga und klopft mir auf die Schulter,
„mit auf Flottenschule.“
Ich reiße meine Augen vor Überraschung so weit auf, dass ich
für einen kurzen Moment Angst habe, dass sie mir aus den Höhlen herausfallen.
Die Flottenschule ist die höchste Bildungseinrichtung der Union. Dort werden
Beauftragte ausgebildet, die am Ende die Kontrolle über einen Ganzen Bereich
eines Schifs haben. Zu einem Beauftragten zu werden ist die höchste Ehre, die
einem Erdaner in der Union zuteil werden kann.
Suniga legt Armia seine Pranke auf die Schulter, wobei er
sich sichtlich nach vorne beugen muss, um das zu tun, und sagt „diese hier
auch!“
Beide Eltern schütteln den Kopf.
„Nein, sie bleiben hier!“, erwidert Mutter. Ich werfe ihr
einen zornigen Blick zu. Als Suniga gesagt hat, dass er uns mit zur Akademie
nimmt, ist mein Herz augenblicklich höher geschlagen. Ich habe zwölf Jahre
meines Lebens in diesem Nest verbracht. Das ist genug. Jetzt will ich die Weite
des Alls sehen. Und diese Frau hat mir gerade die beste Gelegenheit dafür
versaut. Ich seufze, dann gehe ich auf das Haus zu, in dem wir wohnen, wobei
ich sie demonstrativ anremple. Das Gebäude ist im Prinzip nichts weiter als ein
großer Kasten mit Fenstern und einer Wendetreppe an jeder Seite. Vom Dach des Gebädes ziehen
sich Kabel, Drähte und Wäscheleinen zu anderen, ähnlich aussehenden Gebäuden.
Ich schiebe die Magnetkarte in den Schlitz, öffne die Tür und betrete die
Wohnung. Der Flur ist dunkel. Als ich das Licht anschalte, sehe ich sechs
Türen. Drei auf jeder Seite. Rechts die Zimmer der Kinder, also Procius, Armia
und ich, links die der Eltern und das Bad. Ich gehe auf mein Zimmer. Hinter mir
schließe ich ab. Plötzlich klopft jemand an meinem Fenster. Selo, der Goli vom
Schrottplatz. Gut. Jemand anderen will ich gerade nicht sehen. Ich öffne das
Fenster und das kleine Wesen kriecht hinein.
„Da!“, sagt er und stellt einen schwarzen Behälter auf den
Tisch. Auch er hat metallische Ringe um sich herum und eine kleine Anzeige an
der Seite.
„Was ist das?“, will ich wissen, obwohl ich es mir bereits
denken kann.
„Ein Plasmabehälter“, antwortet der Goli seelenruhig, als
sei es nichts Schlimmes, dass er gerade einen Behälter mit dem instabilsten
Material, was es gibt, in eine Wohngegend geschmuggelt hat.
„Bist du wahnsinnig? Wenn die hochgehen, sind wir alle tot!“
Der Goli blickt kurz aus dem Fenster, dann schüttelt er den
Kopf.
„Nicht alle, vermutlich nur alle Bewohner dieses Hauses.
Aber das ist doch gut. Sachen, die unter Druck hergestellt wurden, halten
länger“
Ich seufze. Die Goli waren schon immer für ihre unorthodoxen
Ideen berüchtigt. Und für ihre schrille Stimme, wobei die von Selo noch
angenehm klingt, zumindest im Vergleich mit anderen seiner Artgenossen.
Der Goli holt einige Werkzeuge aus dem improvisierten
Rucksack und legt sie vor mir auf den Tisch.
„Du hast mich vorhin zu etwas inspiriert, weißt du?“
„Wirklich?“
Er nickt, dann hält er mir einen Behälter vor die Nase.
„Weißt du, warum uns das Plasma nicht um die Ohren fliegt?“
Ich nicke und zeige auf die silbernen Ringe.
„Wegen den Magneten“
Selo nickt.
„Genau. Und die Magneten werden mit Stickstoff gekühlt,
damit sie nicht überhitzen. Wenn man aber die Kühlung aussetzt, arbeiten die
Magneten stärker. Somit wird das Plasma solange komprimiert, bis die Magneten überhitzen.
Dann wird das Plasma sich wieder ausbreiten wollen...“
„...und das Gerät explodiert. Clever!“, ergänze ich seinen
Satz. So eine Plasmagranate klingt amüsant. Ich kann mir schon die Gesichter
der Erwachsenen vorstellen, wenn ich ihnen das Gerät irgendwo auf dem
Schrottplatz demonstriere. Armia wird mich lieben.
„Tun wir's!“, sage ich.
Der Goli nickt und reibt sich die Hände. Wir verbringen den
ganzen Abend mit der Herstellung. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben
so sehr geschwitzt. Aber Selo sieht alles ganz gelassen. Entweder, er hat
immenses Vertrauen in unsere Fähigkeiten, oder er hängt nicht am Leben, wobei
er heute bewiesen hat, dass es Letzteres nicht sein kann. Plötzlich klopft
jemand an die Zimmertür.
„Was?“, frage ich genervt. Es ist garantiert Mutter oder
Vater. Ich will mit beiden nicht reden.
„Ist Procius bei dir?“
Mutter.
„Nein!“
„Weißt du, wo er hingegangen sein könnte?“
„Nein!“
Sie verschwindet wieder und ich bastle weiter. Gegen Ende
der Nacht haben wir sechs Granatan gebaut. Jede hat nun einen Knopf, der die
Zufuhr des Kühlmittels unterbricht. Dann hat man zehn Sekunden Zeit, um das
Gerät los zu werden und weg zu schauen, denn die Explosion ist nicht nur so
heiß, wie ein Stern, sondern auch genauso hell.
Ich schaue aus dem Fenster, auf die zwei Sonnen, die sich
langsam nebeneinander über den Horizont erheben. Selo schläft zusammengekauert
auf dem Schreibtisch, direkt neben einer der Granaten. Er ist zwischenzeitlich,
während ich gebastelt habe, losgezogen, hat ein Stück Leder geholt und mir
daraus einen Gürtel genäht, in den meine Granaten hervorragend hineinpassen.
Sie sind von dort aus leicht zu entnehmen und der Druckknopf ist optimal
geschützt.
Plötzlich höre ich aufgebrachte Stimmen vor dem Tor der
Siedlung.
Der Goli reckt den Hals.
„Lass uns mal nachsehen“, sage ich und laufe zur Tür. Im Nu
sitzt er auf meinen Schultern, ich stürme die Treppen herunter und dränge mich
durch die Ansammlung Erdaner, bis ich mir ein Yad seinen Speer vor die Nase
hält.
„Zurück!“, knurrt er. Ich gehorche instinktiv. Procius und
Armia stehen in der Mitte der Masse, zusammen mit ihren Eltern, flankiert von
Suniga und zwei Wachen.
„Lasst ihn!“, sagt Suniga plötzlich. Der Yad vor mir senkt
seinen Speer und ich trete sofort nach vorne.
„Was ist passiert?“, will ich wissen.
„Jemand Eier vernichtet“, erklärt der Yad. Procius! Deshalb
war er heute Nacht nicht zuhause.
„Informationen?“, fragt Suniga mich. Ich schüttle den Kopf.
Nein, ich weiß nichts. Ich habe heute Nacht zwar bloß mit dem Leben der halben
Siedlung gespielt, aber von den Yadeiern weiß ich nichts.
„Yad-Eier-Zerstörer stirbt!“, sagt einer der Yad, die
anwesenden Wächter, die gerade die Menge zurück halten, stimmen mit einem
Kampfschrei zu. Ich blicke zu Procius, doch er wendet den Blick ab. Ich weiß
auch, wieso. Plötzlich tritt Armia vor.
„Ich war das!“, sagt sie.
„Was? Lüg nicht!“, rufe ich, aber es ist bereits zu spät.
Suniga packt sie, drückt sie auf den Boden und aktiviert seine Axt.
„Halt!“, sagt ihr Vater.
„Die Gesetze sagen, dass der Aufpasser des Täters für die
Tat gerade steht“
Suniga legt den Kopf schief.
„Gesetze sagen - Kampf auf Leben und Tod. Wenn du verlierst
– Verbannung für ganze Familie“
Vater nickt und löst ein Messer von seinem Gürtel. Suniga
zögert nicht lange. Mit einem einzigen Hieb hat er ihm den Kopf von den
Schultern getrennt. Armia kniet sofort neben ihm nieder, Procius ballt die
Fäuste. Ich halte vor Schreck meinen Atem an. Er hat sich zwar nur zwei Jahre
um mich gekümmert, aber er hat mich stets behandelt, wie seinen eigenen Sohn.
Und jetzt stirbt er wegen der sinnlosen Rache eines Feiglings. Am liebsten
würde ich Procius jetzt eine meiner Granaten in den Mund stopfen. Auf einmal
spüre ich etwas Kaltes und Schweres auf meinem Kopf.
„Du – mitkommen!“, sagt Suniga.
„Wo...wohin denn?“, stottere ich hervor.
„Flottenschule“, erklärt er.
Subscribe to:
Posts (Atom)